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Sorgen macht dem Experten die sinkende Anzahl von Kindern unter den Skisportlern.

Foto: AP/Lein
Salzburg - Die Bedeutung des Wintersports für die heimische Wirtschaft werde unterschätzt. Das erklärte IHS-Chef Bernhard Felderer am Mittwoch beim Symposium "Netzwerk Winter" im Salzburger Kongresshaus. Er bezifferte die Wertschöpfung des Wintersports mit elf Mrd. Euro. Das seien 4,1 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts. Vergleichbare Anteile hätten beispielsweise die Banken- oder Versicherungswirtschaft.

Der Wintersport sichere direkt und indirekt rund 250.000 Arbeitsplätze und damit jede 14. Stelle in Österreich. Die Steuern und Sozialabgaben aus dieser Branche bezifferte Felderer mit 1,8 Mrd. Euro pro Jahr. Bei den Branchen, die am stärksten vom Wintersport profitieren, liegt das Beherbergungs- und Gaststättengewerbe mit rund 6,5 Mrd. Euro Wertschöpfung weit voran. Es folgen die Transportwirtschaft sowie Dienstleistungen im Bereich Sport und Unterhaltung. Mit einem Anteil von knapp 50 Prozent an den Nächtigungen ist Tirol das wichtigste Wintersportland in Österreich, an zweiter Stelle liegt Salzburg mit 25 Prozent.

Mögliche Probleme

Felderer zeigte auch mögliche Probleme für die Branche auf, die es in den nächsten Jahren zu bewältigen gebe. So würden die vielen Meldungen über Unfälle auf den heimischen Pisten oder Lawinen zu einem schlechten Image des Wintersportlandes führen. Österreich solle sich als sicheres Land positionieren und Maßnahmen setzen, um die Zahl der Unfälle möglichst zu reduzieren. Auch der Klimawandel setzt dem Wintersport zu. Während derzeit in Tirol und Salzburg noch 95 bzw. 90 Prozent der Skigebiete als schneesicher gelten, ginge deren Anteil bei einem Temperaturanstieg um vier Grad auf 29 bzw. 23 Prozent zurück. Mit Beschneiungsanlagen könnte man dieser Entwicklung gegensteuern, sagte Felderer.

Österreich habe - im Vergleich zu anderen Winterdestinationen - schon stark in Beschneiungsanlagen investiert und sei diesbezüglich sehr gut aufgestellt, meinte der IHS-Chef. Der Klimawandel werde seiner Meinung nach auch zu einer Verkürzung der Saisonen sowie zu einem Verlust an Arbeitsplätzen und Wertschöpfung führen. Gleichzeitig werde es nötig sein, die Wertschöpfung pro befahrenem Quadratmeter Piste zu erhöhen - das bedeute auch höhere Preise.

Weniger Kinder fahren Ski

Sorgen macht dem Experten die sinkende Anzahl von Kindern unter den Skisportlern. Man müsse Kinder dauerhaft für den Wintersport begeistern, um sie später nicht als Kunden zu verlieren. Dabei seien die Schulskikurse von enormer Bedeutung. Es gehe aber auch darum, die Zahl der Skigymnasien wie in Stams oder Schladming zu erhöhen, um neben der breiten Masse der Skisportler auch Spitzentalente als Aushängeschilder für die gesamte Branche zu fördern, meinte Felderer.

Für eine bessere Inszenierung des Winters sprach sich die Motivforscherin Helene Karmasin aus. Während es für den Sommer in den Köpfen vieler Menschen das Bild des weißen Strandes mit Palmen gebe, fehle so ein eindringliches Motiv für den Winter. Solche Inszenierungen könnten über starke Geschichten, Emotionen oder Personen erfolgen. "Schnee als atmosphärisches Element wird zu wenig eingesetzt", meinte Karmasin. (APA)