Pflege am Anschlag

Woran das System der 24-Stunden-Betreuung krankt

Corona-Chaos, Scheinselbstständigkeit, schwammige Regeln – die Liste der Missstände im Bereich der 24-Stunden-Betreuung ist so lang, dass selbst glatte Betrugsfälle untergehen

Zehn Tage lang lag Martha S. im Krankenhaus, bevor sie starb. Besuchen konnten sie ihre Tochter und ihr Mann nur vermummt mit Maske, Mantel, Haube, Brille. Schon Tage zuvor hörte man durch die Zimmertür, wie sie mit dem Tod rang, erzählt die Tochter heute. Ein Pflegefall war S. schon zehn Jahre zuvor. Ausgerechnet jene Frau, die sich Tag und Nacht um sie kümmerte, eine 24-Stunden-Betreuerin, hatte sie dann aber mit dem Coronavirus angesteckt. Dazu – und zu all den Schwierigkeiten, in die die Infektion der Betreuerin die Familie brachte – konnte es nicht nur, aber auch deshalb kommen, weil es in der Branche zahlreiche Missstände gibt.