Kulturgeschichte

Revival des Pornoromans "Mutzenbacher": Erregung und Erkenntnis

Das Buch von 1906 scheint kein fürs Heute tauglicher Text. Warum sich Filmemacher und Kulturwissenschafter dennoch gerade damit beschäftigen

"Ich bin frühzeitig zur Hure geworden, ich habe alles erlebt, was ein Weib im Bett, auf Tischen, Stühlen, Bänken (...) erleben kann, aber ich bereue nichts von alledem." Mit diesem Bekenntnis beginnt Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt. In jenem Buch, das sich, 1906 anonym in Wien herausgebracht, in den folgenden Jahrzehnten in unzähligen verfälschten Fassungen und Raubdrucken explosionsartig verbreiten sollte, schildert die fiktionale Prostituierte gereift zurückblickend, wie es mit dem Sex angefangen hat, als sie fünf Jahre alt war. Es ist schwer, auf den gut 200 Seiten in einem Artikel zitierfähiges Material zu finden. Mutzenbacher ist kein Roman mit ein paar Sexszenen. Es sind nur Sexszenen, zusammengehalten von Sexanbahnungsszenen.