AUA-Chef: "Lufthansa-Gruppe stößt so viel CO2 aus wie ein Kohlekraftwerk"

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Die Kritik der Klimaschützer an der Airlines-Industrie sei oft zu harsch, sagt AUA-CEO Alexis von Hoensbroech im STANDARD-Streitgespräch. Aber kurze Inlandsflüge und 9,90-Euro-Trips nach Mallorca nennt auch er schädlich. Klimaaktivistin Mira Kapfinger fordert, Flugtickets radikal zu verteuern, und individuellen Verzicht


Ist Fliegen wirklich der "Klimakiller" Nummer eins, oder sind solche Bezeichnungen nur ein übertriebener Alarmismus von Klimaschützern? Über diese Frage diskutierten am Montag im STANDARD-Studio live und unter reger Beteiligung von Usern AUA-Chef Alexis von Hoensbroech und die Klimaaktivistin Mira Kapfinger vom Netzwerk System Change, not Climate Change.

Fliegen ist klimaschädlich, das war aber auch schon fast der einzige Punkt, in dem sich die beiden Gäste einig waren. Von Hoensbroech sagte, dass die Kritik der Klimaaktivisten am Fliegen oft zu pauschal und vereinfachend sei. Die Luftfahrt trage weniger als drei Prozent zum globalen CO2-Ausstoß bei, "die ganze Lufthansa-Gruppe mit ihren 750 Fliegern stößt genauso viel CO2 aus wie ein großes Kohlekraftwerk. Der Verzicht aufs Fliegen allein wird das Klima nicht retten."

Fliegen sei keine "Schwarz-Weiß-Geschichte". Das 9,90-Euro-Ticket nach Mallorca sei "ökologisch wie ökonomisch" falsch, auch manche Städtetrips in Europa müssten nicht mit dem Flieger gemacht sein, oft gebe es aber keine Alternative.

Klimaaktivistin Kapfinger konterte: Weil immer mehr Menschen fliegen, werde die schädliche Auswirkung des Fliegens immer größer. Der gesamte Spielraum am CO2-Ausstoß, damit die Temperatur global nicht um mehr als 1,5 Grad steigt, könnte zu einem Viertel vom Fliegen ausgeschöpft werden. Es sei nur eine kleine globale Elite, die fliegen kann. Die "unberechtigten Privilegien" der Airline-Industrie müssten fallen, also etwa die Befreiung des Kerosins von der Mineralölsteuer. Bis es aber so weit sei, müsse jeder "selbst ein Zeichen setzen" und aufs Fliegen verzichten.

Sehen Sie im Livetalk: Von Hoensbroech erklärt, warum die AUA nicht alle Inlandsflüge gestrichen hat, etwa nach Klagenfurt oder Innsbruck, und warum Fliegen seiner Meinung nach für mehr Wohlstand sorgt. Kapfinger kritisiert dagegen die AUA: Das Schema, das die Airline anbietet, um den CO2-Ausstoß zu kompensieren, sei wirkungslos. Moderation: András Szigetvari (red, 23.6.2019)