Liessmann: Bildung wird vererbt. Na und?

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Neos-Politiker Helmut Brandstätter will mehr Geld für Brennpunktschulen und volle Schulautonomie. Philosoph Konrad Paul Liessmann warnt davor, das Schulsystem schlechtzureden


"Sie sind untergriffiger als jeder Politiker", sagt Helmut Brandstätter in Richtung des Philosophen Konrad Paul Liessmann. Der erwidert in Richtung des Neo-Politikers: Mit Vorschlägen wie einem öffentlichen Ranking der besten und schlechtesten Schulen erreichten die Neos gar nichts, "bitte ersparen Sie uns das".

Im STANDARD-Livetalk über die Reformkonzepte der Neos im Bildungsbereich haben sich Liessmann und Brandstätter am Montagabend nichts geschenkt. Liessmann warnte davor, das österreichische Schulsystem schlechtzureden, die Neos hätten viele positive Veränderungen der vergangenen Jahre verschlafen. Und: Er warf den Neos vor, aus Schulen Unternehmen machen zu wollen. Rankings würden nichts bringen, die Eltern wüssten doch, wie gut oder schlecht Schulen sind.

Müssen alle noch lesen können?

Brandstätter widersprach: Für viele Eltern gebe es keine Transparenz. Und: Er kritisierte, dass ÖVP, SPÖ und FPÖ seit Jahrzehnten nichts dagegen unternähmen, dass Bildung vererbt wird, also Kinder aus bildungsfernen Schichten schlecht abschneiden. Er forderte 50 Millionen Euro mehr für Brennpunktschulen. Und: Direktoren müssten volle Autonomie bei Budget und Personal haben.

Liessmann widersprach heftig in allen Punkten: Wir sollten endlich damit aufhören, es schlechtzureden, wenn sich Eltern ihren Kindern widmen, mit ihnen lesen und ins Theater gehen. "Ich bin ein böser Mensch, ich vererbe Bildung. Die Neos mögen mich nicht mehr." Damit müsse Schluss sein, so Liessmann. Und: "Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass es immer schwieriger wird zu argumentieren, dass alle lesen können müssen." Heute könne man sich auch über Video, Bilder und andere Kommunikationsformen unterhalten. Moderation: András Szigetvari. (red, 23.9.2019)