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Ticker-Nachlese: Hochrechnungen sehen SPD nun klarer vor Union

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Scholz und Laschet wollen regieren – und zwar jeweils in einem Dreierbündnis mit den Grünen und der FDP. Parteichef Lindner will nun Vorabgespräche mit Baerbock führen


Laut aktuellen Hochrechnungen zur deutschen Bundestagswahl liefern sich CDU/CSU und SPD das erwartete enge Rennen. Die Christdemokraten erlitten demnach empfindliche Verluste und erzielten ihr schlechtestes Ergebnis seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949. Zugleich zeichnet sich ab, dass die Sozialdemokraten die Union überholen konnten – sie liegen aktuell mehr als einen Prozentpunkt vorne.

Den Hochrechnungen zufolge kommt die SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz auf 25,8 Prozent (+5,3 Prozent), die Union mit Kanzlerkandidat Armin Laschet auf 24,1 Prozent (–8,8 Prozent), die Grünen auf 14,6 Prozent (+5,7 Prozent), die FDP auf 11,5 Prozent (+0,8 Prozent), die AfD auf 10,5 Prozent (–2,1 Prozent) und die Linke auf 4,9 Prozent (–4,3 Prozent). Das vorläufige Endergebnis wird nach Mitternacht erwartet.

Beide Spitzenkandidaten erheben Anspruch auf Kanzlerschaft

Scholz wertete die bisherigen Ergebnisse als Regierungsauftrag und stellte in einer Rede nach der ersten Hochrechnung den Kanzleranspruch: "Die Wähler haben das Kreuz bei der SPD gemacht, weil sie einen Wechsel in diesem Land wollen und weil sie einen Kanzler wollen, der Olaf Scholz heißt." Doch die Regierungsbildung könnte schwierig werden. Für seine rot-grüne Wunschkoalition reichen die Stimmen nicht, ein Linksbündnis zusammen mit der Linken hat nach den ersten Hochrechnungen auch keine Mehrheit. Da bliebe nur die Ampel – also ein Bündnis von SPD und Grünen mit den Liberalen.

Zuvor hatte bereits Laschet trotz der Verluste einen Regierungsauftrag für die Union gesehen: "Eine Stimme für die Union ist eine Stimme gegen eine linksgeführte Bundesregierung. Und deshalb werden wir alles daransetzen, eine Bundesregierung unter Führung der Union zu bilden." Auch der Chef der Schwesterpartei CSU, Markus Söder, glaubt fest an die Idee eines Jamaika-Bündnisses – also an eine "bürgerliche Regierung" mit Grünen und FDP.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock lobte das Abschneiden ihrer Partei als das "historisch beste Ergebnis", räumte aber auch Fehler im Wahlkampf ein. Das Land brauche jetzt eine Klimaregierung. FDP-Chef Christian Lindner ließ keine Präferenz erkennen, mit wem die Liberalen jetzt eine Koalition anstreben. In der TV-Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten – der "Berliner Runde" am Sonntagabend – regte er allerdings Vorabgespräche seiner Partei mit den Grünen an. Baerbock reagierte nicht abgeneigt.

Landtag: Knappes Rennen in Berlin

Im Schatten der Bundestagswahl fanden auch Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin statt. Erstere hat die SPD laut Hochrechnungen deutlich gewonnen. In Berlin lieferten sich die Grünen erst ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der regierenden SPD, bevor deren Kandidatin Franziska Giffey sich in den Hochrechnungen an die Spitze setzte. (red, 26.9.2021)