Wien - Für Innenminister Ernst Strasser ist es ganz einfach: Wenn die Gewerkschafter seine Reformpläne ablehnen, dann haben sie dabei auch nichts mitzureden. Durchziehen werde er die Reformen auf jeden Fall, bekräftigte der Innenminister im Gespräch mit dem STANDARD. Und er kündigte an, im Ministerium nicht nur die vorgesehenen 200 Posten einsparen zu wollen, "das werden noch einige Dutzend mehr". Dann sei aber Schluss, eine weitere Personalreduktion werde er nicht in Kauf nehmen. Gegenüber Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, die für das Personal zuständig ist, kündigt Strasser "erheblichen Gesprächsbedarf" an. Auch den Personalvertretern rät er, sich an Riess-Passer zu wenden. Unterstützung hat sich Strasser bereits bei seinem Freund, dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll, gesichert. "Nicht einsparen, sondern aufstocken", fordert Pröll. Einsparungen sind für uns in Niederösterreich kein Thema, davon gibt es kein Abgehen", sagt der Landeshauptmann zum STANDARD. Klare Worte Neugebauers gefordert Ein Gespräch, das Innenminister Strasser am Mittwoch mit sozialdemokratischen Gewerkschaftern führte, blieb einmal mehr ohne Ergebnis. Die SP-Gewerkschafter fordern nun von Fritz Neugebauer, Chef der Gewerkschaft öffentlicher Dienst und ein Parteikollege Strassers, klare Worte. Der will aber weiterhin auf Gespräche setzen. Einig ist sich Strasser mit den Personalvertretern lediglich darüber, dass es 2003 keine weitere Personalreduktion geben dürfe. Zunächst müsse aber Vizekanzlerin Riess-Passer die "Vorarbeiten" leisten und Finanzminister Karl- Heinz Grasser die budgetären Rahmenbedingungen abstecken. Stasser gibt Gas Die Reform der Wiener Polizei und jene der Zentralstelle im Innenministerium will Strasser aber ohne Kompromisse durchziehen. "Wenn die Personalvertreter das grundlegend ablehnen, dann gibt es auch kein Gespräch. Ich sehe da keine Möglichkeit." Trotz Widerstand der Personalvertreter werden in Wien die Bezirkskommissariate von 23 auf 14 reduziert werden. Nach einem Gutachten der Personalvertretungsaufsichtskommission hätten die Personalvertreter auch gar nicht die Kompetenz, sich hier einzumischen. Strasser ist lediglich bereit, mit der Gewerkschaft über die Abfederung "sozialer Härtefälle" zu reden. Das ist dem Vorsitzenden der Kriminalbeamtengewerkschaft, Gottfried Haselmayer, allerdings zu wenig. Der sozialdemokratische Gewerkschafter fordert nach wie vor einen Neubeginn bei den Verhandlungen. "Kampfmaßnahmen sind nicht vom Tisch." Haselmayer versucht auch, Druck auf Neugebauer auszuüben: Dieser müsse sich entscheiden, ob er die Regierung oder die Exekutivbeamten vertrete. (Michael Völker/DER STANDARD Print-Ausgabe, 5.7.2002)