Hüttenberg/Wien - US-Schauspieler Brad Pitt hat 1996 im Hollywoodfilm "Sieben Jahre in Tibet" den alten Mann auch einer jüngeren Generation namentlich bekannt gemacht. In dem Streifen spielt Pitt den österreichischen Naturforscher Heinrich Harrer.Jenen Mann, der durch seine Himalayaexpeditionen während des Zweiten Weltkriegs und seine Freundschaft zum Dalai Lama weltberühmt geworden ist. Harrer feierte am Samstag seinen 90. Geburtstag in seinem Wohnort Hüttenberg an der kärntnerisch-steirischen Landesgrenze. Die Freundschaft zum Tibeter-Oberhaupt verdankt Harrer einem Fotoapparat. Der damals elfjährige Dalai Lama hatte keine Ahnung, was er mit dem Geschenk anfangen sollte. Harrer, von den Engländern im Krieg in ein indisches Lager gesteckt, aber nach Tibet entkommen, konnte dem Kind das Spielzeug erklären und wurde sein Lehrer. Ist dies Legende oder wahr? Schöne Geschichten haben Harrer immer umrankt: von seinen Gipfelstürmen, seiner Hilfsbereitschaft, dem technischen Geschick des ehemaligen Gymnasialprofessors. Eine - weniger schöne und wahre Geschichte - hat er aber nie verstanden. Warum ihm seine Mitgliedschaft bei den Nationalsozialisten und der SS zum Vorwurf gemacht wurde. Er habe dies nie verheimlicht. Und just zur Präsentation des Brad-Pitt-Films hätten deutsche Magazine diese alten Fakten hervorgeholt. Heute grämt sich Harrer nicht mehr darüber - er erzählt lieber weiter "meine Geschichten". (aw/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7. 7. 2002)