Alfred Gusenbauer könnte es sich in Sachen Abfangjäger leichter machen und für die SPÖ den bekannten Satz Konrad Adenauers in Anspruch nehmen: "Was schert mich mein dummes Geschwätz von gestern?" Es wäre doppelt passend, bezog sich doch Adenauers kaltschnäuziges Bekenntnis zur pragmatisch-flexiblen Grundsatztreue auf seinen Meinungsumschwung in der Debatte um die Wiederbewaffnung der jungen Bundesrepublik Deutschland. Und die hatte vermutlich existenziellere Dimensionen als der Beschluss der österreichischen Regierung, sich sehr teure Abfangjäger zu leisten.

Gusenbauer ist nicht Adenauer, und natürlich soll man ihm das auch nicht vorhalten. Aber der Vorwurf von ÖVP und FPÖ, die SPÖ habe als Regierungspartei doch selbst für neue Abfangjäger gestimmt und sei daher jetzt als Kritikerin unglaubwürdig, ließe sich einfacher parieren als durch verschlungene Erklärungen. Etwa mit dem Hinweis, dass eine Partei in Opposition in dem Maße klüger werden kann, in dem die Vergesslichkeit einer in der Regierung verbliebenen bezüglich ihrer Mitschuld an dem wächst, was sie nun auf aller Kosten reparieren muss.

Es ehrt Gusenbauer zwar, dass er auf das Argument verzichtet, er persönlich sei für den damaligen Kurs der SPÖ nicht verantwortlich. Doch seine Erläuterungen, was sich in Europa seit zwei Jahren alles geändert und den Kauf von Abfangjäger überflüssig gemacht hat, hinken. Bereits damals war, wenn man dieser These anhängt, auch für die SPÖ absehbar, dass ein gemeinsames europäisches Sicherheitssystem auf 24 rot-weiß-rote Abfangjäger leicht verzichten kann. Geschickter wäre es also, den Anlass für eine Klarstellung zu nutzen, die der SPÖ noch immer nicht gelingt: Wir sind nicht die, die damals das Sagen hatten. So schwer ist das ja nicht, wie man an der ÖVP sieht. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.7.2002)