Seit diesem Winter schaut Hans G. Zeger von der Arge Daten, der Österreichischen Gesellschaft für Datenschutz, in jeden heimischen Onlineshop und untersucht ihn auf Kunden- und Benutzerfreundlichkeit, Datenschutzbelange, Rücktrittsrechte. Was ihm dabei untergekommen ist, ist streckenweise erschreckend: "Gar nicht so wenige der achttausend österreichischen Webgeschäfte sind anscheinend nur auf Abzocke aus."Nur ein Fünftel der E-Commerce-Läden entsprechen den Minimalkriterien des Shoptesters, die da sind: Angabe der gesetzlich vorgeschriebenen Informationen über den Geschäftsinhalt sowie vertrauenswürdiges Einkaufsprozedere. Beim großen Rest - "und wir sind da wirklich sehr kulant" - fand Zeger Mängel. 73 Prozent der Shops haben Formalfehler, die in der realen Geschäftswelt vom Kunden kaum akzeptiert würden. Und bei acht Prozent der Läden stimmt überhaupt nichts: "Wer dort bestellt, weiß nicht einmal, wo er bestellt." Folgerungen aus seinen Beobachtungen: Bis zu einem Drittel der Shops dürften nicht den Geschäftszweck des Verkaufens haben, sondern der Datensammlung dienen. In manchen Fällen werden Waren mit sehr unklarer Qualität vermarktet. Marktunfähige Produkte werden in Pseudoshops verramscht. Schlecht gewartete Seiten zeugen von schleppendem Geschäftsvorgang. Verwirrende Seiten und Menüführungen können Fehlbestellungen auslösen. Auch Positives Auf der Positivseite führt Zeger rund 1200 Shops an, die "sehr ordentlich" gemacht sind, und hinter denen offensichtlich seriöse Investments stehen. Die hohe Anzahl dubioser Webgeschäfte hält er allerdings für einen wesentlichen Hemmschuh für die gedeihliche Weiterentwicklung des E-Commerce: "Der Benutzer nimmt das Internet ja als Einheit wahr." Zeger will mit seiner Arbeit zu einer Art "Gault Millau im Onlineshop-Bereich" werden. Seine Untersuchungen, die in einen regelmäßigen "Webshop-Monitor" fließen, haben kürzlich zu einem parlamentarischen Entschließungsantrag der SPÖ geführt. Aufgrund der Ergebnisse solle der Justizminister die Bezirksverwaltungen anweisen, das E-Commerce-Gesetz zu vollziehen. Dieses bestimmt, welche Informationen E-Shops aufzuweisen haben. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 4.7.2002)