London - Mit der Zerstörung einer nagelneuen Marmorstatue der einstigen Premierministerin Margaret Thatcher wollte ein 37 Jahre alter Brite gegen den "globalen Kapitalismus" demonstrieren. Der Theaterregisseur Paul Kelleher, der am Vortag den Kopf der Statue mit einer Eisenstange abgeschlagen hatte, erklärte am Donnerstag vor dem Ermittlungsrichter: "Thatcher ist Mitbegründerin des globalen Kapitalismus. Ich wollte mit meiner Aktion auf die Gefahren in der Welt und auf die Gefahren für meinen zwei Jahre alten Sohn aufmerksam machen." Er habe auch die Sicherheitsvorkehrungen in der Guildhall-Kunstgalerie in der Londoner City testen wollen. Nach dem fehlgeschlagenen Versuch, den Kopf mit einem Kricket-Schläger zu zerstören, habe er sich von einem Baugerüst eine Eisenstange geholt. Die Statue war sofort nach dem Zwischenfall am Mittwochnachmittag aus der Galerie entfernt worden. Britische Zeitungen kritisierten am Donnerstag die Sicherheitsmaßnahmen in der Kunsthalle. Hämische Kommentare Zugleich war der Zwischenfall Anlass für hämische Kommentare. Die absichtliche Zerstörung der zwei Tonnen schweren Statue liefert nach Ansicht des "Guardian" den Beweis, dass Thatcher die zugleich "am meisten geliebte und gehasste" britische Regierungschefin seit Winston Churchill gewesen sei. Der "Daily Mirror" schrieb sogar: "Thatcher geköpft - aber leider ist es nur ihre Statue." Der linke Labour-Abgeordnete Tony Banks fand jedoch: "Obwohl die Statue von Baronin Thatcher höchst umstritten ist, kann Vandalismus dieser Art in einer zivilisierten Gesellschaft niemals geduldet werden." Platz im Unterhaus geplant Das im Mai eingeweihte Denkmal, das Thatcher überlebensgroß mit Handtasche zeigt, sollte nach den nächsten Parlamentswahlen einen dauerhaften Platz in der Lobby des Unterhauses finden. Bisher war es Tradition, solche Statuen frühestens zehn Jahre nach dem Tod des jeweiligen Politikers zu errichten. Im Falle Thatcher hatten sich die zuständigen Stellen auf eine "Wartezeit" von drei Jahren nach der Fertigstellung des Denkmals geeinigt. Bildhauer Neil Simmons (44), der die 50.000 Pfund (knapp 80.000 Euro) teure Statue innerhalb von fünf Jahren angefertigt hatte, zeigte sich entsetzt. "Es ist tragisch, dass eine Arbeit, in die man so viel Energie und Zeit investiert hat, in wenigen Sekunden durch sinnlose Gewalt zerstört wird." (APA/dpa)