Jerusalem - Palästinenserpräsidenten Yassir Arafat steht offenbar eine Machtprobe bevor: Der Polizeichef im Westjordanland weigerte sich am Donnerstag, seine am Vortag ausgesprochene Entlassung anzuerkennen. Sicherheitschef Jibril Rajoub versicherte jedoch, es werde keinen Aufstand und keinen Bürgerkrieg geben. Der israelische Minister Effi Eitam forderte indes die Ermordung Arafats."Ich bin Kommandant der Polizeikräfte", sagte Rajoub am Donnerstag dem israelischen Radio. Er werde seinen Posten auf keinen Fall räumen. Rajoub machte Druck von außen für seine Entlassung verantwortlich. Nach israelischen Medienberichten verweigern seine Anhänger einem anderen Kommandanten die Anerkennung. Rajoub gilt im Westjordanland als stärkster Mann nach Arafat. Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes, Yaakov Perry, bezeichnete Arafats Machtposition als offenbar geschwächt. Er glaube jedoch nicht, dass Rajoub sich Reformbemühungen Arafats widersetzen werde. Arafat hatte Rajoub und den Sicherheitschef im Gazastreifen, Ghazi Jabali, am Vortag entlassen. Jabali will seinen Hut nehmen, dafür aber bei den angekündigten Wahlen im Jänner gegen Arafat antreten. Die israelische Regierung beschrieb die Änderungen im Sicherheitsapparat der Palästinenser als bedeutungslos. Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer erklärte, nur die Ablöse Arafats könne die Palästinenser retten. Der Minister ohne Geschäftsbereich, Eitam, forderte, dass Arafat und "seine Mörderbande" getötet werden müssten. Wenn es nach ihm ginge, "wäre Arafat in 15 Minuten tot", sagte Eitam weiter. Sorge um Wirtschaft Ben-Eliezer räumte aber auch ein, dass der Konflikt mit den Palästinensern einer Lösung bedürfe. Israels Wirtschaft könne bei einem Andauern der Situation ihre gegenwärtige schwere Krise nicht überwinden. "Wenn Israel über Jahre hinweg in einem Kriegszustand lebt, wird sich seine Wirtschaft nicht erholen können", sagte er. Für den Terror palästinensischer Extremisten könne es keine militärische, sondern nur eine politische Lösung geben. Die israelische Armee und der Geheimdienst des Landes waren bei der Verfolgung und Liquidierung mutmaßlicher palästinensischer Extremisten im Westjordanland so "erfolgreich", dass sie keine so genannten Top-Terroristen mehr auf ihrer Fahndungsliste haben. Im Gazastreifen sei das Netzwerk der Extremisten allerdings weitgehend intakt, berichtete die Tageszeitung Ha'aretz. Der letzte gesuchte führende Terrordrahtzieher auf der Liste war am Sonntag von einem Sonderkommando in Nablus erschossen worden. (dpa, AP, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 5.7.2002)