Mit Kaffee hat 1862 die ganze Meinl-Chose ja eigentlich angefangen. Und mittlerweile ist der Kaffee eines der wenigen verbliebenen Operationsgebiete des früheren Konzerns. Dennoch, die Kaffee-Kompetenz des Mohren ging ein bisschen verloren, in der Gastronomie durch die Konkurrenz der italienischen Röstereien, beim Fachkunden durch gut sortierte Spezialisten wie Heißenberger oder Alt Wien. Nun machte man bei Meinl am Graben in den vergangenen Monaten aber recht gute Erfahrungen mit den Eigenmarken-Weinen und hatte andererseits im Eingangsbereich des Gourmet-Supermarktes noch recht viel Platz. Mit dem Effekt, dass Petra Bacher ein Café entwarf, mit zwei italienischen Granita-Maschinen, einer kleinen Vitrine, in der das Kipferl auf zwölf Arten thematisiert wird, und Regalen, auf denen sich Meinls neue Kaffee-Identität präsentiert: 14 Sorten, teils etablierte Mischungen wie "Wiener Hausmischung", dann Ländermischungen, Kontinentmischungen wie "Ostafrika" und als Krönung die Plantagenkaffees wie der legendäre "Jamaica Blue Mountain". Alle Kaffees entsprechen der Gastronomiequalität, "weil in der Espressomaschine wirst mit der Jubiläumsmischung nicht viel reißen", bringt Geschäftsführer Hans Gilhofer die Sache auf den Punkt. Und weil eben nicht jeder Kaffee für alles geeignet ist, ließen sich Karl Seiser von der Meinl-Gastronomie und der Kaffee-Sommelier Dragan Mikulovic einige Varianten einfallen: Zuerst einmal gibt es immer zwei Sorten - den "Expert", aus in der Meinlschen "Del Moro"-Rösterei in Bozen gerösteten Bohnen, und einen Kaffee des Monats; diese kann man sich dann entweder als Espresso oder nach der Karlsbader Methode mit der Tröpfelkanne zubereiten lassen, und das außerdem in den 15 klassisch-österreichischen Rezepturen, in 14 "internationalen" Spielarten sowie in zwei "Kaffee-Sommelier"-Varianten. Dass das Café gänzlich Nichtraucherzone ist, hat laut Seiser übrigens nichts mit dem Einfluss amerikanischer Kaffeeketten zu tun, sondern damit, dass der Meinl nun halt mal ein Lebensmittelgeschäft ist und bei der offenen Ware nicht geraucht werden darf. (Florian Holzer/derStandard/rondo/5/7/02)