Die Zukunftspläne der europäischen Flugsicherheitsorganisation erläutert der österreichische Eurocontrol-Direktor Gerhard Stadler im Gespräch mit dem STANDARD. STANDARD: Lässt sich die Kommunikation zwischen Fluglotsen und Piloten verbessern? Stadler: Es gibt derzeit zu wenige Funkfrequenzen. Mehr Frequenzen sind eine Voraussetzung für unser Projekt für eine Datenübertragung zwischen Bodenkontrolle und Flugzeug bis 2005. Bisher läuft die Kommunikation mündlich ab. Mit der Datenübertragung könnte die Bodenkontrolle viel mehr von den Informationen bekommen, die im Flugzeug ja vorhanden sind. STANDARD: Ist auch an einen Datenfluss in die andere Richtung gedacht? Stadler: Eine automatische Beeinflussung des Flugzeugs vom Boden aus wird es wohl nicht vor 2010 geben. Dann könnte aber der Controller zum Beispiel auch den Befehl zum Sinkflug direkt ans Flugzeug übermitteln. STANDARD: Seit Ende Jänner hat Eurocontrol die Höhenabstände zwischen Flugzeugen im Luftraum über 8800 Meter halbiert. Wozu? Stadler: Das hat die Kapazität im oberen Luftraum um 20 Prozent erhöht und die Verspätungen bisher um 40 Prozent verringert. Es bringt auch mehr Sicherheit, weil die Flugzeuge horizontal einen größeren Abstand halten können und es weniger Höhenwechsel - und damit weniger potenzielle Kreuzungen - gibt. Die Flugzeuge können nun beim gesamten Überflug über Europa eine Höhe halten. STANDARD: Sie planen auch eine bessere grenzüberschreitende Flugsicherung. Wie sehen die Projekte aus? Stadler: Im nächsten Jahr soll zum Beispiel in Wien der Bau der Kontrollstelle für unser Projekt Central European Air Traffic beginnen. Ab 2008 werden von dort aus 500.000 Quadratkilometer Luftraum in acht Staaten überwacht werden. In den USA gibt es sechs Kontrollzentralen. Warum hat man in Europa 60 - für ein vergleichbares Territorium? STANDARD: Das geht auch in Richtung der Vorschläge der EU-Kommission für einen einheitlichen EU-Luftraum. Stadler: Wir arbeiten hier eng zusammen. Die Flugsicherung soll nicht an den Grenzen enden, sondern in funktionelle Blöcke gegliedert werden. Da könnten dann zum Beispiel alle Flüge Madrid-Paris die Spanier kontrollieren, alle Rückflüge die Franzosen. (Jörg Wojahn aus Brüssel, DER STANDARD Printausgabe 4.7.2002)