London/Wien – „Ich habe bisher nicht ein einziges Argument gehört, das für einen britischen Euro-Beitritt spricht“, sagt Bob Geldof, ein für seine 80er-Jahre Benefizaktionen zu Gunsten Afrikas immerhin von der Queen zum Ritter geschlagener Ex-Rock-Star. Gemeinsam mit einer Reihe weiterer britischer Prominenter, unter anderem dem Comedy-Star Harry Enfield, dem Schauspieler Vic Reeves und der britischen Labour-Abgeordneten Kate Hoey macht er in einem Video unter dem Motto „europe yes, euro no“ gegen den Beitritt des Großbritanniens zur europäischen Währungsunion mobil. “Ein Volk, ein Reich, ein Euro“ In dem Video ist kurz auch Adolf Hitler zu sehen, der verkörpert vom britischen Comedy-Star Rik Mayall, „ein Volk, ein Reich ein Euro“ von einem mit Hakenkreuzfahnen behängten Balkon brüllt. „Nein“, rufen darauf hin die wartenden Massen zurück. Scharfe Kritik aus Brüssel "Der Rückgriff auf Adolf Hitler ist ausgesprochen geschmacklos und unter aller Kritik", sagte EU-Kommissionssprecher Jean-Christoph Filori am Mittwoch in Brüssel. Filori weiters: "Dies als Witz zu bezeichnen, ist verletzend und appelliert an niedere fremdenfeindliche Instinkte." Führende Vertreter der britischen Juden verurteilten den Kurzfilm, als Beleidigung der Opfer des Holocaust. Svoboda: "Skandalöse Hetzkampagne" Auch der SPÖ-Delegationsleiter im Europäischen Parlament und SPE-Fraktionsführer Hannes Swoboda hat die "skandalöse Anti-Euro-Hetzkampagne" heftig kritisiert. Der Spot stelle die Einführung der europäischen Währung als "Nachvollzug der Hitler'schen Aggressions- und Expansionspolitik" dar. "Politik braucht etwas Pfeffer" Der britische Europaabgeordnete und Euro-Gegner Nigel Farage verteidigte hingegen die Kampagne. Es gehe nur darum, unpolitische und junge Menschen in die Debatte über einen Beitritt zur Währungsunion einzubeziehen, sagte Farage von der britischen Unabhängigkeitspartei. "Es wird versucht, diese Kampagne als Eigentor darzustellen, aber ich denke, Politik braucht etwas mehr Pfeffer." "Never mind the Euro" Das bizarre Video, das Ende des Monats in den Kinos gezeigt werden soll, ist nicht der erste Streich der britischen Euro-Gegner. Mit Plakaten, die der legendären Sex Pistols-Platte „Never mind the bollocks“ nachempfunden sind und schlicht „Never mind the Euro“ auf gelbem Hintergrund kommunizieren, oder einem Foto, das den britischen Finanzminister Gordon Brown in Handschellen zeigt, wird seit Monaten gegen die europäische Gemeinschaftswährung Stimmung gemacht. Gegner überwiegen Premierminister Tony Blair, ein Euro-Befürworter, will im kommenden Jahr das Volk über einen Beitritt Großbritanniens zur europäischen Währungsunion abstimmen lassen. Jüngsten Meinungsumfragen zu folge sind lediglich 36 Prozent der Briten dafür, 49 Prozent lehnen einen solchen Schritt ab. (Reuters,dax)