Im Zentrum der Studie "Why CEOs (Chief Executive Officer) fall", in der die 2500 größten internationalen börsennotierten Unternehmen analysiert wurden, steht der Zusammenhang zwischen Unternehmensentwicklung sowie Art und Zeitpunkt des Ausscheidens eines CEOs aus dem Unternehmen.

Demnach haben sich die Fristen deutlich verkürzt, in denen das Urteil über die Befähigung eines CEO fällt. Besonders in Europa nehmen immer Jüngere in immer kürzeren Abständen auf den Chefsesseln Platz.

Jobkiller

Nachhaltig schlechte Rendite und Ereignisse, die kurzfristige Kursstürze verursachen, erweisen sich als "Jobkiller" für CEOs. Dabei werden auch signifikante Unterschiede zwischen Regionen und Branchen deutlich.

Weltweit nimmt das Tempo, in dem Vorstandsvorsitzende ausgetauscht werden, zu. Die allgemeine Fluktuation von CEOs in Topunternehmen stieg zwischen 1995 und 2001 weltweit um 53 Prozent. Sehr viel höher liegt demgegenüber die Rate bei Entlassungen von CEOs aufgrund einer unbefriedigenden Performance. Sie stieg von 1995 bis 2000 um 114 Prozent.

Ein Signal, das hiesige Unternehmensführer hellhörig machen sollte: In Europa betrug der Anteil an CEOs, die in den Jahren 2000 und 2001 infolge einer ungenügenden Performance gehen mussten, 42,9 Prozent und damit doppelt so viel wie in Nordamerika (20,3 Prozent).

Ein Hauptfaktor für das Überleben eines CEO ist die Frage nach der langfristigen Rendite. Auffallend dabei ist jedoch die fast gesetzmäßige Relation: Unternehmensführer, die lange im Amt verbleiben, sorgten über die gesamte Periode für eine bessere Performance als solche, die ihren Posten bald wieder verließen beziehungsweise verlassen mussten. CEOs mit mehr als zehn Jahren an der Unternehmensspitze brachten ihren Aktionären jährlich eine mittlere Rendite von zwei Prozent über dem Marktdurchschnitt.

CEOs zwischen fünf und zehn Jahren in ihrer Funktion lagen dagegen 1,9 Prozent unter dem Marktdurchschnitt. CEOs, deren Verweildauer fünf Jahre oder weniger betrug, sorgten für Renditen, die sogar 12,4 Prozent unter dem Marktdurchschnitt lagen. Unabhängig von den Gründen des Ausscheidens aus dem Amt brachten CEOs in der ersten Hälfte ihrer Zeit durchweg bessere Leistungen als in der zweiten. Agierten sie zwischen null und fünf Jahren, betrugen die mittleren Renditen für die Aktionäre -2,7 Prozent in der ersten Hälfte und -13,3 Prozent während der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit (jeweils bezogen auf den Marktdurchschnitt).

Vorstände zwischen fünf und zehn Jahren auf ihrem Posten erwirtschafteten mittlere Renditen für Aktionäre von 2,3 Prozent in der ersten Hälfte dieser Zeit und fielen in der zweiten Hälfte auf -4,7 Prozent zurück.

Für CEOs, die zehn Jahre oder länger an der Unternehmensspitze standen, lagen die mittleren Renditen in der ersten Hälfte ihrer Amtszeit bei 5,7 Prozent und bei -0,7 Prozent in der zweiten Hälfte. 1995 lag in Europa das Anfangsalter für einen CEO bei 52,3 Jahren, 2001 bei 49,4.

Verjüngungskur

Damit zeichnet sich für Europa eine ähnliche Tendenz ab wie für die USA. Hier betrug das Anfangsalter eines CEO im Jahre 1995 im Durchschnitt 50,4 Jahre; 2001 lag es bei 48,8. In Asien findet sich dagegen ein entgegengesetzter Trend. Hier belief sich 1995 das Anfangsalter eines CEOs auf durchschnittlich 57,0 Jahre, 2001 lag es bei 60,4 Jahren.

Auch der Umgang mit CEOs hat sich verändert: Sie werden zunehmend persönlich für positive wie negative wirtschaftliche Entwicklungen des Unternehmens verantwortlich gemacht und im negativen Fall auch viel schneller mit Entlassung "bestraft". "Der Druck auf CEOs dürfte sich verschärfen, die Performance in noch kürzeren Intervallen bewertet werden und Fehler noch schneller zu Konsequenzen führen. Europa hat also hinsichtlich der Bewertung der Vorstandsvorsitzenden nach den Prinzipien des Shareholder-Value-Ansatzes bereits zu den USA aufgeschlossen", resümieren die Studienverfasser. (DER STANDARD, Printausgabe, red, 6./7. 7. 2002)