Wien - Die Österreich-Tochter des Münchner Infineon-Konzerns hat die jüngste heftige Krise der Halbleiterbranche weitgehend überwunden: "Wir haben in Österreich die Talsohle durchschritten", sagte Vorstandssprecherin und Finanzvorstand Monika Kircher-Kohl am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Dank der Sparmaßnahmen könne Infineon jetzt gestärkt in die nächste Aufschwungphase gehen. Die heimische 100-prozentige Infineon-Tochter hat ihr Restrukturierungsprogramm vorerst abgeschlossen und will bis auf weiteres an der Zahl von 2.600 Mitarbeitern österreichweit festhalten. "Wir werden auf diesem Niveau einmal geradeaus gehen", sagte Kircher-Kohl. Allerdings sei die Entwicklung für die nächsten sechs Monate nicht abzusehen. Vor der Umstrukturierung beschäftigte Infineon Technologies Austria AG knapp 3.000 Mitarbeiter. Gesamte Gruppe mit Umsatzrückgang um 27 Prozent 2.080 Mitarbeiter sind im Stammwerk Villach beschäftigt, das konzernweit als Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter gilt. Ob dies so bleibt, wird nicht zuletzt auch von den Mitarbeitern abhängen: "Die eigene Leistung ist die beste Absicherung", sagte Kircher-Kohl. In Villach werden Produkte vor allem für Auto- und Industrieelektronik hergestellt, auch Produkte für die Telekommunikation und Sicherheits- und Chipkarten-IC kommen von hier. Relativ stabil geblieben sei der Bereich Automobil und Industrieelektronik (AI), womit zwischen 70 und 80 Prozent der Umsätze erzielt werden. Zwar kämpft die Autobranche mit deutlichen Rückgängen, die aber durch den verstärkten Elektronikanteil mehr als wettgemacht würden, sagte die Vorstandssprecherin: Der Elektronikanteil in einem Mittelklassewagen sei von 2 Prozent 1985 auf heute 15 Prozent gestiegen und werde bald bei 25 Prozent liegen. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2001/02 (per 30. September) hat die gesamte Infineon-Gruppe einen Umsatzrückgang um 27 Prozent auf 2,4 (nach 3,3) Mrd. Euro hinnehmen müssen, das Betriebsergebnis EBIT stürzte im Jahresabstand von 456 Mill. Euro auf -742 Mill. Euro. Das Konzernergebnis fiel von 303 Mill. Euro auf -439 Mill. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter sank um 10 Prozent auf 30.000 Beschäftigte. Morgan Stanley senkt Prognosen Analysten von Morgan Stanley haben erst kürzlich ihre Prognosen für Infineon nach unten gesenkt: Für das laufende Jahr rechnen sie nun mit einem Verlust je Aktie von 0,90 Euro, nachdem sie zuvor einen Verlust von 0,73 Euro erwartet hatten. Für das kommende Jahr senken sie ihre Schätzung von 0,85 auf 0,45 Euro. Das Kursziel wurde von 28 auf 23 Euro zurückgenommen. Die Marktaussichten für die Halbleiterbranche würden auch kurzfristig schwierig bleiben, hieß es als Begründung. Zudem dürfte sich die PC-Nachfrage im zweiten Halbjahr wohl nur gedämpft erholen. Die Aktie wird weiterhin als "Equal-Weight" eingestuft. (APA)