Frankfurt/Luxemburg - Die Europäische Zentralbank (EZB) lehnt eine engere Koordination ihrer Geldpolitik mit der Finanzpolitik in der Euro-Zone ab. Auch einer allgemeinen Koordination mit der US-Notenbank Fed steht sie skeptisch gegenüber. "Ich habe ernsthafte Zweifel an jeglicher Intensivierung der Koordination zwischen Geld- und Wirtschaftspolitik", sagte Duisenberg am Freitag in der Eröffnungsansprache eines geldpolitisches Forum in Frankfurt. Genauere Untersuchungen zeigten auch, dass eine internationale Koordination der Geldpolitik meist keine Vorteile bringe. Es sei zwar richtig, dass die Entscheidungsträger in den Feldern Geld- und Steuerpolitik ihre wirtschaftspolitischen Einschätzungen austauschten, fügte Duisenberg hinzu. Dies geschehe allerdings bereits bei den regelmäßigen Treffen der Eurogruppe. Die Eurogruppe besteht aus den Finanzministern der Länder der Euro-Zone. An den Treffen nimmt oft auch die EZB teil. "Eine Vorab-Koordinierung von Geldpolitik und Fiskalpolitik ist eine völlig andere Geschichte. Die Entscheidungsträger in diesen zwei Feldern haben klare und unterschiedliche Aufträge." Die Geldpolitik müsse die Preisstabilität gewährleisten, während die Fiskalpolitik den Stabilitäts- und Wachstumspakt einhalten müsse. "Das würde die Kompetenzen verwischen - die im Vertrag über die Europäische Union deutlich definiert sind - und könnte die Glaubwürdigkeit der EZB als Hüterin der Preisstabilität unterminieren." Negative Ergebnisse Duisenberg fuhr unter Berufung auf Untersuchungen fort, die Ergebnisse einer solchen Vorab-Koordinierung könnten sogar negativ sein. "Ich bin davon überzeugt, dass die Europäische Zentralbank und die Fiskalpolitiker am besten zu einem stabilen volkswirtschaftlichen Umfeld beitragen, wenn sie sich an ihren jeweiligen Aufträgen ausrichten." Der EZB-Chef wies ebenfalls auf die Grenzen einer Koordinierung der Geldpolitik mit anderen Notenbanken hin, obwohl er sich für einen intensiveren Dialog zwischen EZB und US-Notenbank Fed aussprach, deren Board-Mitglied Edward Gramlich an dem Forum in Frankfurt teilnahm. "Wir sollten zwischen internationaler Zusammenarbeit und internationaler Koordination unterscheiden. In letzterem Fall verfolgen die Entscheidungsträger nicht nur heimische Ziele, sondern berücksichtigen in ihren Handlungen ausdrücklich die Auswirkungen nach außen." Theoretische Untersuchungen zeigten, dass ohne Koordination oft bessere Ergebnisse erzielt würden. Diese Folgerung entspreche der EZB-Politik. Seit Gründung der EZB vor vier Jahren habe sich die Zusammenarbeit mit der Fed verstärkt und habe die höchste Intensität nach den Anschlägen vom 11. September erreicht, erklärte Duisenberg. Damals hatten EZB und Fed ein Tauschgeschäft vereinbart, um die Dollarliquidität an den europäischen Märkten aufrecht zu erhalten. Außerdem hatten die beiden Notenbanken gemeinsam mit anderen wichtigen Zentralbanken in einem koordinierten Schritt die Leitzinsen gesenkt, um die Konjunktur zu stützen. Leitzins unverändert bei 3,25 Prozent Am Donnerstag hatte die EZB hatte ihren Schlüsselzins für die Euro-Zone erwartungsgemäß unverändert bei 3,25 Prozent gelassen. Wegen der jüngsten Entwicklung am Finanzmarkt hätte das Risiko in jüngster Zeit jedoch nicht abgenommen. "Ich bin nicht ohne Sorge", hatte Duisenberg gesagt. Die Schwäche der Aktienmärkte sei einer der Gründe, warum die EZB die Zinsen am Donnerstag unverändert gelassen habe. Inflationsausblick gemischt Der Euro-Anstieg sollte nach Duisenbergs Worten die Inflation dämpfen. "Es ist jedoch schwierig, Umfang und Zeit dieser Wirkung abzuschätzen", sagte er. Dennoch zeigten die längerfristigen Preisrisiken eher nach oben. Kurzfristig sei der Inflationsausblick jedoch gemischt. Das hohe Wachstum der Geldmenge M3 könnte nach Duisenbergs Worten Portfolio-Umschichtungen angesichts der jüngst gestiegenen Unsicherheit an den Finanzmärkten reflektieren. Dennoch sei es Besorgnis erregend, dass es in der Euro-Zone mehr Liquidität gebe als für eine Wirtschaftserholung notwendig. (APA/Reuters)