Paris - Wer soll diesen Lance Armstrong schlagen? Nach drei Gesamtsiegen in der Tour de France in Serie ist der US-Amerikaner auch bei der 89. Auflage, die am Samstag in Luxemburg beginnt, der erklärte Top-Favorit. Angesichts seiner jüngsten Erfolge im GP Midi Libre und dem Criterium Dauphine Libere sieht sich Armstrong selbst in einer Position der Stärke. "Mein Team ist stark, ich fühle mich großartig, mag die Strecke und daher bin ich auch entspannter als im Vorjahr."Sechsmal in Folge ist das Ziel Erst drei Fahrern sind bei der "Tour der Leiden" vier Gesamtsiege in Folge gelungen. Armstrong tritt an, es Jacques Anquetil (1961-64), Eddy Merckx (1969-72) und Miguel Indurain gleichzutun, der Spanier triumphierte von 1991 bis 1995 sogar fünf Mal. Armstrong könnte diesen Rekord schon im nächsten Jahr einstellen und 2004 sogar überbieten. Sein deutscher Rivale Jens Voigt sieht darin auch das vorrangige Ziel des Ausnahmekönners: "Lance will die Tour sechs Mal hintereinander gewinnen und dann abtreten." Helfer mutierten zu Konkurrenten Zwei starke US-Postal-Helfer der vergangenen Jahre sind zu Rivalen geworden - der Giro-Zweite Tyler Hamilton (CSC) und Ken Livingstone (Telekom) - dennoch hat Armstrong acht Partner neben sich, die ihn im Flachen und in den Bergen perfekt unterstützen werden. Allen voran Roberto Heras, Gewinner der Katalonien-Rundfahrt, der auch selbst das Potenzial für einen Podestplatz hätte. Stärkstes Team der letzten Jahre "Wir haben das stärkste Team der vergangenen vier Jahre, jeder ist extrem motiviert", erklärte der Sportliche Leiter Johan Bruyneel. Armstrong, der frühere Krebspatient, muss als komplettester Fahrer keinen Gegner fürchten. Die drei langen Zeitfahren (gesamt 182 km), eines davon mit dem Team (68 km), kommen dem Superstar entgegen und in den Bergen hielt er seine Rivalen immer in Schach. Diesmal warten zwischen dem elften und 17. Teilstück sechs harte Bergetappen (fünf Bergankünfte) mit insgesamt fast 280 km Kletterei. "Man muss immer wachsam sein" Armstrong ist aber auch in Abwesenheit von Jan Ullrich, dem härtesten Gegner der vergangenen zwei Jahre, und des Ex-Giro-Siegers Gilberto Simoni keineswegs überheblich. "An einem schlechten Tag kann man am Mont Ventoux 15 Minuten verlieren, man muss immer wachsam sein", erklärte der 30-Jährige in einem Interview mit "cyclingnews.com". Die Herausforderer aus dem Once-Team Als größter Widersacher von US Postal wird das Once-Team erwartet, angeführt von Joseba Beloki, dem Gesamt-Dritten von 2000 und 2001, sowie Igor Gonzalez de Galdeano (Fünfter 2001). "Armstrong ist auch nur ein Mensch, auch ihn kann man schlagen", meinte Gonzalez. Telekom will Etappensiege Während sich das Team Telekom (ohne den rekonvaleszent gedopten Ullrich) und Mapei (mit dem österreichischen Debütanten Gerhard Trampusch) auf Etappensiege durch ihre Supersprinter Erik Zabel bzw. Tom Steels und Oscar Freire konzentrieren, haben die meisten anderen Rennställe einen Spitzenplatz in der Gesamtwertung im Visier. Die Rivalen Die Zahl der potenziellen Jäger Armstrongs ist groß. Ob ihre Klasse reicht, ihn über drei Wochen zu fordern und ein Solo der Nummer eins zu verhindern, müssen sie aber erst beweisen. Neben den Once-Profis zählen Oscar Sevilla, Richard Virenque, Hamilton, Michael Boogerd, Levy Leipheimer, Wladimir Belli, Laurent Dufaux, Andrej Kiwilew (Vierter 2001), Denis Mentschow, Christophe Moreau und Raimondas Rumsas zum erweiterten Kreis der Herausforderer. Luttenberger will Spitzenplatz Einen Rang unter den den ersten Zehn peilt auch Peter Luttenberger (Team Tacconi) an. Für den Steirer ist Armstrong ebenfalls der Top-Favorit. "Aber das muss nicht heißen, dass er am Schluss auch ganz oben steht", erklärte der Gesamt-Fünfte von 1996. "Das ist ja das Schöne an der Tour, dass sie drei Wochen dauert, dass viel passieren kann und dass es immer wieder Überraschungen gibt." (APA)