Wien - Für zwei österreichische Radprofis ist ab Samstag "Tour-Zeit". Peter Luttenberger und Gerhard Trampusch messen sich in der 89. Tour de France, die in Luxemburg mit dem Prolog beginnt, mit den Besten. Die Ausgangssituation für die zwei starken Kletterer ist freilich recht unterschiedlich. Während der Steirer, der Gesamt-Fünfte von 1995, um einen Top-Ten-Platz fährt, will der Tiroler bei seinem Debüt in einer dreiwöchigen Rundfahrt vor allem das Endziel in Paris erreichen. "Bin gut in Form" Bei Luttenberger läuft alles rund in seinem achten Profijahr. Der Wahl-Monegasse blieb im Gegensatz zu früheren Saisonen von Krankheiten und Verletzungen verschont und hat Spitzenergebnisse eingefahren. "Ich habe das Rad fahren nicht verlernt, bin gut in Form und wenn nichts passiert, schaut sicher etwas heraus für mich", meinte der 29-Jährige. Eine Prognose wollte er nach zahlreichen Enttäuschungen in vergangenen Jahren nicht abgeben, doch insgeheim setzt er sich hohe Ziele. "Bei einem Platz unter den Top Ten hätte man sich optimal in Szene gesetzt und ein Etappensieg wäre etwas ganz Spezielles", meinte Luttenberger. Die Konkurrenz ist die Schwierigkeit Die Tour bleibt für Südsteirer das "Rennen der Rennen". Von der Streckenführung her findet er die "große Schleife" nicht so extrem schwierig. "Es ist das Starterfeld, das die Tour so schwer macht. Alle Fahrer bereiten sich das ganze Jahr lang vor und jeder will sich gut präsentieren", schildert Luttenberger die Besonderheit des Rennens, das im Juli nicht nur in Frankreich alles in seinen Bann zieht. Duell mit Frigo um Teamführung Um die Position des Kapitäns bei Tacconi muss "Lutte" erst kämpfen. Denn mit Dario Frigo trägt ein starker Fahrer das blaue Team-Trikot. "Unsere Kollegen sollten uns beide gut behütet über die ersten zehn Tage zu den Bergen bringen und dort wird sich alles von selbst ergeben", sagt der zweifache Familienvater, der nach der Geburt seiner Kinder viel an Lockerheit gewonnen hat. Freiheiten für Trampusch Für das Mapei-Team von Trampusch steht besonders viel auf dem Spiel. Der Hauptsponsor steigt mit Saisonende aus und daher will der Rennstall mit Spitzenplätzen bei potenziellen Nachfolgern Interesse wecken. "Unser Team ist auf die Sprinter Tom Steels und Oscar Freire ausgerichtet", sagt Trampusch, der über das Fehlen eines Top-Fahrers für das Gesamtklassement gar nicht unglücklich ist. Denn diese Konstellation lässt dem Tour-Neuling viel mehr Freiheiten. Mit einem Auge auf die Gesamtwertung achten "Vielleicht kann ich an dem einen oder anderen Tag vorne dabei sein, eine Etappe zu gewinnen wäre ein Traum", erklärte der leichtgewichtige Kletter-Spezialist, der sich auch in Sprints gut behauptet. Daran, dass er selbst in die Rolle der Nummer eins des Teams schlüpfen könnte, will Trampusch vor Beginn nicht denken. "Das könnte sich eventuell ergeben, aber es wäre überheblich, schon vorher zu sagen, ich fahre auf die Gesamtwertung." Respekt vor Teamzeitfahren Zu viele Unwägbarkeiten warten auf den 20 Etappen (3.280 km) mit vier Zeitfahren (insgesamt 182 km) und fünf Bergankünften. Großen Respekt hat Trampusch vor allem vor dem vierten Abschnitt, einem Team-Zeitfahren über 68 km gemeinsam mit Spezialisten wie Andrea Tafi und Laszlo Bodrogi. "Davor fürchte ich mich am meisten", gestand der 25-Jährige. "Wenn man da einen schlechten Tag hat, leidet man fürchterlich." (APA)