Andreas Gruber leitet ab Herbst die Regie-Abteilung der Hochschule für Musik und Film München; zur Zeit hat er in Köln eine Professur für Drehbuch und Dramaturgie an der Kunsthochschule für Medien inne.

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Wien - "Sehr ernüchternd" ist das Ergebnis der gestrigen Film-Enquete für den Filmemacher Andreas Gruber ("Hasenjagd - Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen"), der als Vorsitzender des Dachverbands der österreichischen Filmschaffenden an der parlamentarischen Enquete teilnahm. Dafür, dass die Regierung mit der Ansage eines Filmschwerpunkts angetreten und die Enquete nach drei Jahren der erste öffentliche Diskurs über Film sei, sei das Ergebnis "sehr enttäuschend", so Gruber auf Anfrage: Es werde seit Jahren immer wieder neu über Dinge diskutiert, die eigentlich längst klar seien. Etwa, dass "steuerliche Anreiz- oder Investmodelle nur funktionieren, wenn die öffentliche Hand vorerst eine kritische Masse an Geld in die Filmförderung investiert". Nur bei einer soliden Vorfinanzierung durch eine öffentliche Förderung sei es möglich, für die Spitzenfinanzierung private Investments zu finden, die bevorzugt bei den Rückflüssen von Gewinnen behandelt werden. "Ungeheuer bescheiden", so Gruber, sei das Angebot von 2,18 Millionen Euro für das ÖFI. "Das ist nicht einmal das, was in den letzten drei Jahren nominell gekürzt wurde." Dramatische Auswirkungen haben neben den Kürzungen im operativen Bereich, so Gruber, vor allem die neuen sozialen Regelungen auf die Filmschaffenden. Neben der Künstlersozialversicherung, die "völlig an der sozialen Realität der Filmschaffenden vorbei" gehe, betreffe das vor allem die Einbeziehung der Filmschaffenden in die neue Selbstständigkeit seit Anfang des Jahres. Diese bedeute de facto eine 25-prozentige Honorarkürzung, bei einem Zusatzeinkommen von 2.907 Euro falle man außerdem aus der Arbeitslosenversicherung heraus. Die Filmschaffenden müssten sofort wieder aus der neuen Selbstständigkeit ausgenommen werden, fordert Gruber und schlägt Alarm: "Wir haben derzeit eine Emigration im Filmwesen wie noch nie seit 1945. Es geht eine ganze Generation von Leuten weg. Mich irritiert die Gleichgültigkeit, mit der das in Österreich wahr genommen wird, als wäre es kein Verlust." Insgesamt kritisiert Gruber, dass bei einer Enquete des Kulturausschusses fast ausschließlich über Geld geredet wurde: "Ich halte es in höchsten Maße für problematisch, wenn nicht gefährlich, wenn Kultur beginnt, selbst sich zu rechtfertigen über Umwegrentabilität, Standortvorteile und andere Art von Rückflüssen, und wenn die Kulturpolitik nicht mehr weiß, was für einen Stellenwert das Narrative als kulturelle Identitätsstiftung für eine Gesellschaft hat. Wenn man ununterbrochen die Terminologie der Wirtschaft benutzt, ist das letztlich verheerend." (APA)