Zagreb - Nach dem Scheitern der bisherigen kroatischen Regierung wegen des Konflikts um die Ratifizierung des Abkommens über das AKW Krsko will Ministerpräsident Ivica Racan ein Minderheitskabinett führen. Racan zeigte sich am Donnerstag in Zagreb überzeugt, dass die verbleibenden vier Koalitionsparteien eine stabile Regierung bilden könnten. Zuvor hatten der bisherige Vize-Premier und Chef der Sozialliberalen (HSLS), Drazen Budisa, und Transportminister Mario Kovac (HSLS) ihren Rücktritt erklärt. Vorerst offen ließ Racan die Frage, ob er am Samstag, wie von vielen kroatischen Medien spekuliert, formal seinen Rücktritt erklären werde. Den Gerüchten zufolge soll Racan planen, sich an Präsident Stipe Mesic zu wenden, um vom Staatsoberhaupt den neuerlichen Auftrag zur Regierungsbildung zu erhalten. Der neuen Minderheitsregierung Racan werden voraussichtlich die Sozialdemokraten, die Bauernpartei, die Volkspartei und die Liberalen angehören. Die HSLS ist mit ihrem Rückzug aus der Regierung weiterhin gespalten. Während Budisa, der Erzrivale von Racan, den angekündigten Rücktritt vollzog, erklärte etwa Verteidigungsminister Jozo Rados, die Arbeit für den Staat sei wichtiger als die Partei. Auch der stellvertretende Umweltminister Roland Zuvanic blieb im Amt. Nach Medienspekulationen könnte allerdings der Rücktritt von Wirtschaftsminister Hrvoje Vojkovic unmittelbar bevorstehen. Die künftigen Mehrheitsverhältnisse im kroatischen Parlament blieben vorerst ungewiss. Lediglich die rechtsgerichtete Kroatisch-Demokratische Union (HDZ) schloss bereits eine Unterstützung der Minderheitsregierung Racan aus. Demgegenüber könnte der Ministerpräsident aber die Stimmen der Istrischen Demokratischen Versammlung (IDA) für sich gewinnen und damit auf 79 der 151 Abgeordnete zählen können.(APA)