Belgrad - Der frühere Chef des serbischen Staatssicherheitsdienstes, Rade Markovic, dürfte allem Anschein nach demnächst vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aussagen. Die jugoslawische Regierung befreite Markovic am Donnerstag mittels Beschluss von seiner Schweigepflicht in Bezug auf Militär- und Staatsgeheimnisse, die Geschehnisse während des Kosovo-Krieges betreffen. Der Belgrader Sender "B-92" meldete, dass der Regierungsbeschluss auch für den früheren Polizei-Spitzenbeamten Obrad Stevanovic, der als Verdächtigter einvernommen werden soll, sowie für den potenziellen Belastungszeugen Teodor Stancic gelte. Es wird erwartet, dass Markovic im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic als einer seiner ehemaligen Mitarbeiter aussagen wird. Staatsgeheimnisse Die Regierung beschloss gleichzeitig, dem UNO-Tribunal vier von der Anklage beantragte, bisher als Staatsgeheimnisse eingestufte Militärdokumente zur Verfügung zu stellen. Vermutlich handelt es sich um Dienstanweisungen aus der Zeit des Kosovo-Krieges. Markovic befindet sich wegen Amtsmissbrauchs seit Anfang letzten Jahres in einem Belgrader Gefängnis. Er war im Vorjahr in Belgrad zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden, allerdings soll der Prozess auf Aufforderung des obersten Gerichtes nun erneuert werden. Dem früheren serbischen Geheimpolizeichef wird die Vernichtung von kompromittierenden Unterlagen nach der Wende im Oktober 2000 vorgeworfen. Markovic war bis Jänner 2001 im Dienst geblieben.(APA)