"Seine Auftritte waren immer schon abstrus, jetzt hat er noch nachgelegt", sagt Rosemarie Bauer, von der ÖVP gestellte Volksanwältin. Sie meint, dass ihr freiheitlicher Kollege Ewald Stadler das Amt der Volksanwaltschaft beschädigt. Bauer: "Stadlers Interpretation der Geschichte ist zutiefst abzulehnen."Volksanwalt Stadler hatte bei einer Sonnwendfeier gemeint, Österreich sei 1945 "angeblich von Faschismus und Tyrannei befreit worden". Außerdem wollte er sich nicht festlegen, ob Nazi- oder Besatzungszeit schlimmer gewesen sei. Bauer hält es in dieser Situation für einen "gesetzlichen Mangel, dass man einen Volksanwalt nicht absetzen kann". Der Rücktritt von Stadler sei eine "Sache des persönlichen Anstands, das muss er aber selbst entscheiden". Bauers SP-Kollege Peter Kostelka will Stadler zwar ebenfalls nicht explizit zum Rücktritt auffordern, seine Kritik geht aber eindeutig in diese Richtung: "Das gibt es nirgends auf der Welt, dass man Völkermord und Holocaust als mögliche politische Anschauungen verteidigt. Solche Äußerungen sind mit einem öffentlichen Amt nicht vereinbar, und die Konsequenzen daraus müssten Stadler eigentlich klar sein." Kostelka wirft Stadler vor, sich "als Sprecher der Ewiggestrigen profilieren zu wollen". Außerdem vertrete er mit seinen Aussagen die Meinung jener, "welche die Verbrechen von Faschismus und Nationalsozialismus zu rehabilitieren versuchen". (Samo Kobenter, Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 5.7.2002)