Wien - Die Finanzskandale der vergangenen Wochen haben über den großen Teich auch einige RHI-Aktionäre aufgerüttelt. So erhitzten sich die Gemüter bei der Hauptversammlung (HV) am Donnerstag auch an den Bilanztechniken des neuen Vorstandes. So regte die nicht vorhandene Prozentangabe der genauen Umsatzanteile im Bereich Dämmen den Aktionär Rupert-Heinrich Staller zum Vergleich mit Worldcom an: "Ist das so, um etwas zu verschleiern?" Anlegerschützer Wilhelm Rasinger wollte mehr zum Thema Rückstellungen wissen: "Die Risiken aus dem Asbestgeschäft wurden bilanzkürzend dargestellt. Damit wird nur die schlechte Eigenkapitalausstatung des Konzerns verschleiert." Doch Finanzvorstand Eduard Zehetner parierte die Fragen und klärte auf, dass laut HGB Rückstellungen in diesem Ausmaß bei Verlusten zulässig seien. Unmut Stallers Unmut regte sich auch gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden Helmut Draxler. Er wollte wissen, ob dessen Gehalt - 2,5 Millionen Euro - auf fünf Jahre tatsächlich von den Banken garantiert sei. Was der neue Aufsichtsratsvorsitzende Michael Gröller ebenso wie Draxler verneinte. Doch die Parallele, die Staller mit dem von Vivendi verstoßenen Jean-Marie Messier herstellen wollte, erhitzte auch die Gemüter anderer Aktionäre. So wurde die Sitzung immer wieder durch Zwischenrufe angefeuert. Der von Waldemar Jud vorgelegte Zwischenstand zur internen Prüfung der Verantwortlichkeit des US-Abenteuers brachte keine Neuigkeiten: Wie es bisher aussieht, hat Jud "mit gebotener Seriosität, Akribie und Verantwortung" kein Vergehen der für die US-Einkäufe zuständigen Vorstände gegen die Sorgfaltspflicht gemäß Aktiengesetz ausmachen können. Ansonsten gibt es beim immer noch weltweit führenden Feuerfesthersteller - trotz der US-Maläse - seitens des Vor- standes nur positive Aussichten: Die höher als erwarteten Auftragseingänge für 2002 ließen darauf hoffen, dass die Ziele erfüllt werden können: 1,1 Mrd. Euro Umsatz, ein Betriebsergebnis (Ebit) von 71 Mio. Euro und einen Free Cashflow von 88 Mio. Euro. Wie berichtet, hatte die RHI unter anderem durch ihre asbestgeschädigten US-Töchter 856,4 Mio. Euro Schuldenangehäuft. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der neue Aufsichtsrat noch nicht gewählt. (este, DER STANDARD, Printausgabe 5.7.2002)