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Wer Naji Sabri, den irakischen Außenminister, von seiner Zeit als Botschafter in Österreich kennt, dem fallen vor allem zwei Veränderungen auf: der gewaltige Schnurrbart à la Saddam, der irgendwie mit der Haarfarbe nicht zusammenzustimmen scheint, und der Verlust eines Namensteils: Als Naji Sabri al-Hadithi unterzeichnete er als Botschafter bis zum Frühjahr 2001 seine berühmt-berüchtigten Briefe an die österreichische Journaille, die die Verdienste Seiner Exzellenz Präsident Saddam Husseins um die Menschheit nicht zu würdigen wusste.

Der Schnauzer ist gewiss eine freiwillige Verbeugung vor dem irakischen Männlichkeitsidol, Familien- und Clanbezeichnungen wie al-Hadithi hingegen sind in offiziellen Positionen von Staats wegen nicht erwünscht. Hadithis tauchen in der politischen Geschichte des Irak immer wieder auf, auf hohen Posten, aber auch als Opfer Saddams, der einen Cousin und einen Bruder Sabris auf dem Gewissen haben soll.

Dessen Loyalität zum Regime tat das keinerlei Abbruch: Als Journalist beginnend, arbeitete sich Sabri im Informationsministerium nach einer Zwischenstation in London (wo ihm der Ruf eines Geheimdienstlers anhaftete) bis zum Vizeminister hoch, bevor er 1999 als Botschafter nach Wien geschickt wurde.

Erst kurz zuvor hatte der 1955 Geborene sein Doktorat in Linguistik gemacht. In Wien ereilte ihn Anfang 2001 der Ruf als Vize von Tarik Aziz ins Außenministerium, im August desselben Jahren löste er Aziz - der durch eine Korruptionsaffäre seines Sohnes in Schwierigkeiten gekommen war - ab. Sabri steht seinem berühmten Vorgänger weder in den verbindlichen Umgangsformen noch in der Beherrschung des Englischen nach, wie Aziz ist der mehrfache Familienvater jedoch im Herzen ein Hardliner.

Dass es Naji Sabri gelungen ist, zu einem so wichtigen Mitglied einer europäischen Regierungspartei wie Jörg Haider in so engen Kontakt zu kommen - wobei in Bagdad natürlich nicht zur Kenntnis genommen wird, dass Haider nicht in der Regierung und nicht mehr Parteichef ist -, ist als Erfolg gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Seine wachsende Macht hat Sabri aber auch gezeigt, als er, kaum im Amt, mit einem großen Umbau im Außenministerium begann: Dabei wurde die alte Diplomatenriege systematisch entmachtet, Karriere machen heute Leute aus dem Informationsministerium, sprich Geheimdienst.

Einen Geheimdienstler wollte Außenminister Sabri jüngst auch als neuen irakischen Botschafter nach Wien schicken, nach Überprüfung wurde diesem von der österreichischen Regierung jedoch die Akkreditierung verweigert. So will es jedenfalls die irakische oppositionelle Gerüchteküche wissen. (Gurdrun Harrer/DER STANDARD-Print-Ausgabe, 5.7.2002)