Wien - Die Rolle von Frauen in Friedensprozessen war thematischer Schwerpunkt einer Tagung der Organisation "Women Waging Peace", die am Donnerstag an der Wiener Diplomatischen Akademie zu Ende gegangen ist. Unter der Leitung der Ex-US-Botschafterin in Österreich, Swanee Hunt, trafen in Wien mehr als 30 Friedensaktivistinnen mit Politikerinnen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und neue Strategien zur Friedenssicherung, unter besonderer Berücksichtigung der Teilnahme von Frauen, auszuarbeiten. Die Mehrheit der Anwesenden war selbst krisen- und kriegserfahren. Die Teilnehmerinnen kamen aus Israel und vom Balkan, aus Armenien und Aserbaidschan, aus Zypern und Russland. "Es ist ebenso schwer, einen Friedensvertrag umzusetzen, wie diesen auszuverhandeln." Mit diesen Worten sprach die Abgeordnete zum nordirischen Parlament, Monica McWilliams, vielen der Teilnehmerinnen des Kongresses aus dem Herzen. Die wahren Hindernisse im nordirischen Friedensprozess seien mit Entmilitarisierung und Entwaffnung allein nicht zu beseitigen. Die wirkliche "Entwaffnung" müsse im Kopf stattfinden, denn nicht nur Revolver könnten töten, sondern auch die "Zungen" der verfeindeten Gruppen. Nordirland befinde sich nicht in einer "Post-Konflikt"-Phase, sondern erlebe eher einen Prozess der "Transformation des Konfliktes". Viele gäben sich der Illusion hin, mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages sei alles geklärt. Frauen aktiv einbinden "Viele glauben, die Straßenkämpfe sind Ausdruck des Misstrauens der Gruppen gegeneinander, aber in Wirklichkeit ist das Misstrauen in den Köpfen", sagte McWilliams. Die Konflikte seien nicht nur dort zu finden, wo man sie sehe. Die nordirische Gesellschaft sei nach wie vor gespalten. 90 Prozent der Schüler gehe immer noch in eine deklariert protestantische oder katholische Schule. An vielen der Zusammenstöße in den Straßen seien Kinder zwischen 10 und 12 Jahren beteiligt. Besonders Frauen wüssten um die Probleme dieser Kinder und Jugendlichen. Auch deshalb sei es so wichtig, Frauen aktiv am Friedensprozess zu beteiligen. "Northern Ireland Women's Coalition" McWilliams vertritt seit 1998 ihre eigene Partei im Parlament. Die "Northern Ireland Women's Coalition", gegründet 1996, um eine höhere Repräsentation von Frauen bei den Friedensverhandlungen zu ermöglichen, setze bewusst auf Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Protestanten. Dank ihrer Partei gebe es nun auch ein dem Parlament angeschlossenes Bürgerforum, in dem Nicht-Regierungsorganisationen ebenso vertreten seien wie Kirchen, Sportvereine und Wirtschaftsfachleute. "Wir möchten eine andere Kultur für Nordirland schaffen", sagte McWilliams am Donnerstag. "Die Entwaffnung hat nicht das erhoffte Vertrauen geschaffen. Ein Volk voller Angst hat eben keine Hoffnung." Flüchtlingscamps Die Bedeutung des Engagements von Frauen in Krisenregionen hob im Anschluss Vjosa Dobruna hervor, die an der UNO-Mission im Kosovo beteiligt war. Im Kosovo hätten Frauen binnen weniger Tage Flüchtlingscamps organisiert, "während die Männer im Café saßen und beweinten, dass sie keine Waffen mehr haben". Für Sumaya Farhat-Naser, palästinensische Universitätslektorin und Menschenrechtsaktivistin, liegt der Schlüssel zum Frieden in der Information. Viele Israels wüssten nicht, wie Palästinenser lebten, und umgekehrt. Das müsse man ändern. (APA)