Salzburg - Im Juni 1997 hatten zwei Mitarbeiter des Technischen Überwachungsvereines (TÜV) die Standseilbahn der Kapruner Gletscherbahn auf das Kitzsteinhorn drei Tage lang überprüft und für in Ordnung befunden. Etwas mehr als drei Jahre später brannte einer der beiden Wagen im Stollen völlig aus, 155 Menschen kamen ums Leben - die größte Feuerkatastrophe der Zweiten Republik.Wie schon elf von 16 Angeklagten vor ihm, beteuerte auch der erste der beiden TÜV-Bediensteten am Donnerstag beim Prozess in Salzburg, an der Brandkatastrophe keine Schuld zu tragen. Folgt man seinen Ausführungen, hätte die Überprüfung der Züge erst zehn Jahre nach der Zulassung der neuen Wagenaufbauten, also 2004, erfolgen müssen. Auf Wunsch der Gletscherbahnen selbst, habe man aber schon 1997 den ersten Check durchgeführt. Gutachten Getestet worden seien beispielsweise die Hydraulikbremsen an der Bergstation und die Funktion der Schienenzangenbremse. Der laut Gutachten brandauslösende Heizstrahler im Führerstand "lag nicht in meinem Aufgabenbereich", sagte der Techniker. Von der Prüfung ausgenommen war die Wagenhydraulikanlage. Laut Staatsanwaltschaft hat der Heizstrahler aus den Druckleitungen ausgetretenes Öl entzündet und so das Inferno ausgelöst. Der TÜV-Mann bestätigte bei seiner Einvernahme auch, was vor ihm schon andere Beschuldigte anführten. Vor dem 11. November 2000 hätte sich einen Brand einer Standseilbahn niemand vorstellen können. Aber bis heute sei der Brandschutz bei Schulungen von Seilbahnbediensteten "kein Thema". (APA, neu, DER STANDARD Printausgabe 5.7.2002)