Wien – Wer in den Park geht und es eilig hat, sollte lieber zu Hause bleiben. Denn das Wort "schnell" verträgt sch mit Begriffen wie "Erholung" und "Ausspannen" nur bedingt. Aber auch wer in einem Park etwas bewirken will, braucht Zeit. Und Zähigkeit: Der banale Akt, die Erweiterung eines zu schmalen Tores in den Augarten durchzusetzen, kann eineinhalb Jahre dauern. Und das, obwohl eigentlich eh alle dafür sind. Von Anfang an – jedenfalls heißt es das im Nachhinein.

Lobbyisten im Dienst des Augartens

Uschi und Dieter Schreiber wissen das: Seit mittlerweile zehn Jahren sind die beiden Lobbyisten im Dienst des Augartens. Ihr Ziel: Durch die Belebung und Attraktivierung des 400 Jahre alten – ältesten – Wiener Barockgartens sowie die Vernetzung aller Parknutzer soll die Lebensqualität im Park und der ganzen Umgebung steigen.

Am Donnerstag war es dann so weit. Die Schreibers und ihr Verein "Aktionsradius Augarten" präsentierten das Projekt "Kultur.Park.Augarten": Gärtner und Sängerknaben, Pfarre und Kino-unter-Sternen-Betreiber, Porzellanmanufakteure und Versuchsgärtner sollen einen gemeinsamen Parkauftritt hinlegen. An dem auch Kinderfreibadbenutzer, Filmarchivare, Pensionistenheimbewohner und jüdische Schulbetreiber teilhaben sollen. Und – neben den Anrainern – all die anderen Initiativen und Gruppen, die den Augarten in den vergangenen Jahren zur Basis ihrer Aktivitäten gemacht haben.

EU fördert Parkprojekt

Doch mit dem – über EU-Gelder des "Interreg III"-Projektes geförderten – Vernetzen gibt man sich nicht zufrieden: Neben der Verbesserung der Nutzungs- und Freizeitmöglichkeiten sowie der Gartenrevitalisierung nach historischen Vorgaben und der Errichtung eines Musikpavillons soll auch ein "Parkparlament" eingerichtet werden. Seine Aufgabe: Anrainer und Parknutzer in die Entscheidungsprozesse einbeziehen.

Überdies soll der Augarten einen Partnerpark bekommen: Der Leso-Park in Bratislava soll nach ähnlichen Kriterien saniert und attraktiviert werden. Allerdings, bedauerte Bratislavas stellvertretende Bürgermeisterin Maria Demeterova am Donnerstag in Wien, "sind wir noch nicht ganz so weit wie Wien".

Hier, in Wien, erklärte Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP), soll als erster Schritt nun ein Strategieplan über die städtebauliche, ökonomische und kulturelle Verschränkung des Augarten-Projektes mit den Wachstumsachsen des zweiten und 20. Bezirkes – von der "Dresdner Spange" bis zur "Messe neu" im Prater – erstellt weden. (rott, DER STANDARD Printausgabe 5.7.2002)