Belfast - Angesichts der bevorstehenden Marschsaison der nordirischen Protestanten und wieder verschärfter Spannungen in der britischen Unruheprovinz haben sich der britische Premierminister Tony Blair und sein irischer Kollege Bertie Ahern am Donnerstag in Belfast zu Gesprächen getroffen. Sie wollen mit Vertretern der verschiedenen Parteien versuchen, eine neue Krise der nordirischen Allparteienregierung zu verhindern. Das Treffen auf Hillsborough Castle fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bereits vor dem Eintreffen der Regierungschefs forderten protestantische Politiker einen stärkeren Druck auf die irisch-republikanische Partei Sinn Fein. Andernfalls drohe die Vier-Parteien-Koalition in der britischen Provinz zu scheitern, warnte der nordirische Regierungschef David Trimble am Donnerstag. Streitpunkt IRA-Entwaffnung Streitpunkt ist nach wie vor die Entwaffnung der Untergrundorganisation Irish-Republikanische Armee (IRA), als deren politische Vertretung Sinn Fein gilt. Zwar hat die IRA seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 einen Teil ihrer Waffen abgegeben; besonders in den letzten Monaten wurden hier Fortschritte verzeichnet. Die Protestanten werfen der Organisation jedoch vor, bereits neue Waffen zu sammeln und für eine Reihe von Anschlägen der letzten Zeit verantwortlich zu sein. Die IRA hat dies bestritten. Am Mittwoch hatte Trimble, Chef der protestantischen Ulster Unionisten (UUP), noch einmal betont, er könne seine Partei nur schwer von einem Verbleib in der überkonfessionellen nordirischen Regierung überzeugen, wenn die Gewalt in der Provinz weitergehe. Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, dass Splittergruppen der IRA die Ermordung protestantischer Politiker planten. Vor allem Trimble wurde aufgefordert, die Vorkehrungen für seine persönliche Sicherheit zu verstärken. Die Lage in Nordirland ist angesichts der am kommenden Wochenende bevorstehenden Aufmärsche des Oranier-Ordens besonders angespannt. Mit ihren alljährlichen Paraden in der gesamten Provinz erinnern die nordirischen Protestanten an den Sieg Wilhelms von Oranien über den katholischen König Jakob II. am 12. Juli 1690. Diese Umzüge, die oft durch katholische Wohnviertel führen und deshalb von der katholischen Bevölkerung als Provokation empfunden werden, haben in der Vergangenheit immer wieder zu blutigen Unruhen geführt. Die Polizei hat angekündigt, den berüchtigten Oranier-Marsch durch das katholische Portadown zu verhindern, wo es in den letzten Jahren immer wieder zu gewaltsamen Konfrontationen gekommen war.(APA/AP)