Der eigentliche Büromarkt ist im Moment zwar rückläufig, dennoch gibt es einen Boom bei Immobilien, die Büro und Lagerplatz kombinieren. Büroimmobilienexperte Michael Janotto von der Immobilienfirma CB-Richard Ellis ortet bei der Vermittlung von Gewerbeimmobilien Probleme hauptsächlich darin, die passenden Käufer für die vorhandenen Objekte zu finden.Durch die Kombination von Büro und Lagerplatz seien wesentlich mehr Kriterien als bei Wohnimmobilien zu erfüllen, so etwa der Standort oder die Höhe der Immobilie. Zu berücksichtigen sei natürlich auch die Fläche, die sich bei derartigen Objekten großteils zwischen 5000 und 10.000 Quadratmetern bewege. "Auch das Verhältnis von Preis und Zustand des Objektes ist oft nicht gerechtfertigt", sagt Ursula Piffl von Spiegelfeld Immobilien. In letzter Zeit wurden sehr viele gute Büroimmobilien gebaut, um den Nachholbedarf der vergangenen Jahre auszugleichen, berichtet Margret Funk von der gleichnamigen Immobilienfirma. Die neuen Bürotürme sollten die Nachfrage vor allem jener Unternehmen stillen, die derzeit noch in Altbaubüros untergebracht sind. Aufgrund der verlangsamten Konjunkturentwicklung würde die Expansion im Moment allerdings nur sehr vorsichtig betrieben, da die aktuelle wirtschaftliche Lage alle Unternehmen vermehrt zum Sparen zwinge. Der Schwerpunkt der Nachfrage nach Immobilien liege in Wien. Gefragt seien hauptsächlich gut ausgestattete Büroflächen mit optimaler Verkehrsanbindung, vor allem U-Bahn. Bei der Errichtung einer Immobilie dürfe diese nicht einseitig auf einen Betriebszweck hin ausgelegt werden, sondern "allzweckig" am Markt positioniert werden, rät Eduard Praitenlachner von EP-Immobilien. Auch der Architektur werde ein immer größerer Stellenwert eingeräumt, da das Objekt auch einen gewissen Repräsentationszweck erfüllen solle. Kundenwünsche Der Standard von ausreichender und umfassender Beratung werde immer höher angesetzt, sagt Funk: "Der Makler muss über die technischen und ökonomischen Bedingungen der Immobilie Bescheid wissen und diese gleich von sich aus dem Kunden präsentieren." Detaillierte Recherchen über Immobilien gehörten zu den Grundvoraussetzungen. Es sei erforderlich, dass der Makler dem Kunden die "Wünsche von den Augen abliest, um am Markt das passende Objekte für ihn zu finden". Die Kunden würden umfassende Beratung wünschen, und ein guter Makler müsse diesen Anforderungen gerecht werden, bestätigt Martin Salbeko von der Immobilienfirma DTZ Austria. Die Pflicht des Gewerbemaklers sei es, sich genauer mit der Firmenstruktur auseinander zu setzen, um den Kunden jene Immobilien zeigen zu können, die diese wollen. Daher müsse die persönliche Beratung konkret auf das Anforderungsprofil des Kunden abgestimmt sein. Es sei eine viel intensivere Zusammenarbeit notwendig, da man einen längerfristigen Kontakt aufbaue. "Oft lässt sich der Kunde sechs bis zwölf Monate Zeit für die Entscheidung", sagt Praitenlachner. Ein weiterer Aspekt, den Gewerbemakler bei der Immobiliensuche beachten müssten, seien Expansionsmöglichkeiten, da je nach Art des Unternehmens auch Ersatzflächen benötigt werden könnten. (Katrin Bamberger, DER SATNDARD Printausgabe 3.7.2002)