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Foto: AFP/Francois Lo Presti
Lille - Dutzende Menschen haben in Lille gewalttätig gegen die Bewährungsstrafe für einen Ex-Polizisten wegen des Todesschusses auf einen Algerier protestiert. In verschiedenen Stadtteilen der nordfranzösischen Metropole gingen in der Nacht auf Freitag rund 20 Autos in Flammen auf, mehr als zehn Menschen wurden vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen. Ein AFP-Korrespondent wurde Augenzeuge, wie Dutzende junge Täter in Autos durch die Stadt fuhren, um die Feuer zu legen. Andere zum Teil Maskierte standen mit Mobiltelefonen offenbar Schmiere. Ein Schwurgericht in Douai hatte am Vortag den Ex-Polizisten Stephane Andolina zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, weil er den unbewaffneten Autodieb Riad Hamlaoui im April 2000 von hinten erschossen hatte. Die Geschworenen folgten der Argumentation der Verteidigung und erkannten auf fahrlässige Tötung. Tumulte Die Staatsanwaltschaft hatte wegen vorsätzlicher Tötung sechs Jahre Haft gefordert; als Höchststrafe wären für dieses Vergehen bis zu 30 Jahre möglich. Bereits unmittelbar nach der Urteilsverkündung kam es zu Tumulten. Bereits der Todesschuss auf den 25-jährigen Hamlaoui durch die Scheibe eines Kleinwagens hatte 2000 in Lille Unruhen ausgelöst. Damals wurden rund 70 Autos in Brand gesteckt und mehr als 100 Jugendliche festgenommen. Streifenpolizist Andolina hatte sich nach Ansicht des Gerichtes bedroht gefühlt und in Panik abgedrückt. Hamlaoui hatte auf dem Beifahrersitz gesessen. Er wurde erschossen, als der zweite Dieb sich der Polizei bereits ergeben und Handschellen angelegt bekommen hatte.(APA)