.... einer neben ihm sitzenden jungen Frau aus einer Entfernung von etwa 30 Zentimetern minutenlang auf den Busen starrte. Das war kein anmutiger Anblick. (Für uns.)Der Mann aus gutem Bürohause trug ein weißes Hemd (mit Transparentlook unter den Achseln), erfüllte die möglicherweise selbst auferlegte Krawattenpflicht und verfügte über eine korrekte Frisur. Der silbergraue Aktenkoffer lag symmetrisch auf seinen keusch geschlossenen Beinen. Er hielt sein Haupt diskret nach vorne geneigt. Die Augen aber lustwandelten zur Seite, bis sie den Rand des luftigen Ausschnitts erreichten, wo sie sich, außer Kontrolle geraten, in das T-Shirt hinein-fallen ließen. Dort saugten sie sich fest. Bedingt durch die Aufwühlung, öffnete sich der Mund des Mannes, und die Zungenspitze kam zum Vorschein. Um das visuelle Erlebnis zu verdauen, bedurfte es schnaufender Atemgeräusche. Ebendiese dürften den Beschauer verraten haben. Die junge Frau drehte sich abrupt zur Seite, merkte, wie ihr geschah, und rief, deutlich vernehmbar für alle Umsitzenden: "Geht's Ihnen eh gut?" - Bis dahin sehr. Nun nicht mehr. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.7.2002)