Münster - Die "Pille für den Mann" wird es frühestens im Jahr 2006 geben. "Wahrscheinlich wird sie in China als erstes entwickelt und angewandt werden", sagte Eberhard Nieschlag, Direktor des Instituts für Reproduktionsmedizin an der Universität Münster. Die chinesischen WissenschafterInnen seien mit ihren Studien derzeit am weitesten. Tatsächlich werde es aber bei der "Pille für den Mann" nicht um eine Tablette, sondern um Injektionen handeln.Spermienbildung unterdrückt "Man braucht für den Verhütungseffekt einen sehr konstanten Serumspiegel im Blut", sagte Nieschlag. Pillen oder Pflaster könnten dies bislang nicht leisten. Stattdessen sollen künftig Hormonspritzen auf die Hirnanhangdrüse einwirken und damit die Spermienbildung im Hoden unterdrücken. In experimentellen Studien ließen sich in Münster Männer alle sechs Wochen Testosteron und Gestagen injizieren. Tatsächlich wurde damit ein kontinuierlicher Serumspiegel im Blut erreicht: Die Spermienreifung sei praktisch zu 100 Prozent unterdrückt worden, sagte der Mediziner. Aber auch unter der Haut eingesetzte Depots, die regelmäßig Hormongaben absonderten, seien als Verhütungsmethode denkbar. Großer Bedarf in Südafrika und China Sobald die Hormontherapie abgesetzt wird, sind die Männer auch wieder zeugungsfähig. Vor der Marktreife muss nach Angaben des Experten aber noch genauer untersucht werden, wie verträglich und sicher die Präparate bei welcher Dosierung sind. Anfängliche Nebenwirkungen wie leichte Akne oder Schwitzen könnten mit neueren Präparaten vermieden werden. Laut Nieschlag gibt es vor allem in Südafrika und China einen großen Bedarf für diese Art der Verhütung. Verhütung bleibt Frauensache Unklar ist jedoch, inwieweit das vermeintlich starke Geschlecht tatsächlich die Pille oder Spritze in Anspruch nehmen wird. Gerhard Kosthöfer, Psychologe bei der Pro Familie Beratungsstelle in Bochum, hat für Deutschland seine Zweifel: "Ich glaube nicht, dass Männer regelmäßig in die Arztpraxis gehen, um sich ihre Verhütungsspritze abzuholen", sagte er. Verhütung werde von den Männern bislang noch immer weitgehend als Frauensache angesehen. Das bestätigt auch Norbert Kluge, Leiter der Forschungsstelle für Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik an der Universität Landau, der in einer Studie 1.692 Deutsche im Alter zwischen 14 und 92 Jahren über ihr Verhütungsverhalten befragt hat. "49,3 Prozent hatten angegeben, in den letzten zwölf Monaten mit der Pille verhütet zu haben", sagte Kluge. 13,6 Prozent hatten gar nicht und 22,2 Prozent mit Kondomen verhütet. Dabei waren es in 27,4 Prozent der Fälle die Frauen, die die Kondome kauften. (APA)