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Berlin - Viele Krebspatienten zucken immer noch zusammen, wenn ihnen der Arzt eine Strahlentherapie verordnet. Die Angst vor Nebenwirkungen wie Verbrennungen von Haut und Gewebe sowie das Vorurteil, durch die Strahlen radioaktiv verseucht zu werden, habe in letzter Zeit eher zu- als abgenommen, beklagt der Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Charite in Berlin, Volker Budach. Dabei gab es im vergangenen Jahrzehnt in kaum einem anderen Behandlungsbereich so immense Fortschritte wie in der Strahlentherapie. In frühen Erkrankungsstadien könne die Strahlentherapie bösartige Tumoren sogar heilen und eine Operation überflüssig machen, erklärt Budach. So bleibe beispielsweise beim Kehlkopfkrebs mit einer gezielten Bestrahlung die Stimme erhalten, die bei einer Operation unwiederbringlich verloren gehe. Auch Männer mit Prostatakrebs könnten unter bestimmten Voraussetzungen von der Fähigkeit der Strahlen profitieren, die Zellteilung und damit das Wachstum des Tumors zu hemmen. Im Gegensatz zur Radikaloperation des Organs bleibe bei einer Strahlentherapie die Potenz erhalten. Brachytherapie Eine zwar seit langem bekannte, aber mit den neuen Techniken um Vieles effizienter gewordene Methode ist die so genannte Brachytherapie, die griechische Bezeichnung für "Nahbestrahlung". Mit Hilfe computergesteuerter Navigations- und Bestrahlungsgeräte wie dem so genannten Linearbeschleuniger könne der Radiologe heute auch tief liegende Tumoren gezielt bestrahlen, erklärt der Direktor der Strahlenklinik am Klinikum Offenbach, Nikolaos Zamboglou. Computertomographie und Kernspintomographie vermitteln dem Arzt eine exakte Darstellung des Tumors und der Organsysteme. Mit dieser Kenntnis und einer spezialisierten Software sei es möglich, die geplante Bestrahlung am Computer dreidimensional zu planen und das Zielgebiet genau fest zu legen. "Die Positionierung der Strahlenquellen ist von entscheidender Bedeutung, um die Strahlendosis im Tumor zu konzentrieren und das gesunde Gewebe zu schonen", betont Zamboglou. IMRT Auch bei der so genannten intensitätsmodulierten Strahlentherapie, kurz IMRT genannt, gehe es darum, den Tumor intensiv zu beschießen, ohne das gesunde Gewebe drumherum zu schädigen, erklärt Budach. Die IMRT sei eine "technisch hochkomplexe Variante der Bestrahlung", die mit einem speziellen Gerät ausgeführt werde. Im Kopf dieses Gerätes befinden sich schmale Bleilamellen, die sich vor und zurück bewegen und damit die Konturen des Bestrahlungsfeldes während der Behandlung modulieren oder verändern: "Man muss sich das vorstellen, wie eine Wolke, die beim Sonnenbaden plötzlich den Bauch in den Schatten taucht und die Strahlenintensität verringert", erklärte der Spezialist. Die Methode werde vor allem bei Tumoren eingesetzt, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu besonders strahlenempfindlichen Organen lägen, beispielsweise bei Geschwüren im Kehlkopf, Rachen oder auch der Nasennebenhöhlen. Forschern der Universität Dresden sei es mit dieser Methode gelungen, die Bestrahlungsdosis an der sehr empfindlichen Ohrspeicheldrüse um über 50 Prozent zu mindern und die Funktion des Organs zu erhalten. An der Charite werde die IMRT mittlerweile bei Kopf-Hals-Tumoren routinemäßig eingesetzt, so Budach. (APA/AP)