"FRECH – Frauen ergreifen Chancen" heißt die neue Anlaufstelle des Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (WAFF) für berufstätige Frauen, die einen beruflichen Auf- oder Umstieg planen. "Es gibt zwar schon einige Bildungs-Beratungsstellen für Frauen, aber noch keine die sich vorrangig an berufstätige Frauen richtet", sagt Astrid Schwarz von FRECH. "Unsere Absicht ist es, präventiv zu agieren: Wir wollen schon bei Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job Hilfestellung bieten, und nicht erst bei Arbeitslosigkeit."Kostenlose Entscheidungshilfen FRECH bietet Frauen kostenlos Orientierungs- und Entscheidungshilfen: Gemeinsam mit einer Beraterin definieren sie ihren Berufswunsch und erarbeiten Strategien und Schritte zur Umsetzung, besonders in Bezug auf Aus- und Weiterbildung. "Wir schauen dabei auch genau, ob die Entscheidung arbeitsmarktpolitisch sinnvoll ist und der gewünschte Beruf oder der Lehrgang auch wirklich zur Person passt", erklärt Schwarz. Großes Interesse von seiten der Frauen gäbe es beispielsweise für den Gesundheitsbereich: "Berufe wie Heilmasseurin etwa sind sehr begehrt – gerade hier gilt es aber oft, die Vorstellungen der Realität anzupassen, da diese Jobs großteils freiberuflich auszuüben sind und sehr harte Bedingungen haben." Zusätzlich zur Beratung begleitet FRECH die Frauen auch später während der Aus- oder Weiterbildung mit Coaching im Beratungszentrum und motiviert sie, eigentinitiativ zu werden, sich bei Firmen nach Praktika umzuschauen oder Anlaufstellen zu finden, um in den gewünschten Beruf hineinzuschnuppern. Förderprogramm für Umschulungen Da Umschulungen und Fortbildungen oft sehr teuer sind, hat der WAFF ein Förderprogramm eingerichtet, mit dem Kurse und Lehrgänge für eine berufliche Veränderung bis zu 90 Prozent oder maximal 3700 Euro finanziert werden können. Die Frauen tragen jedenfalls einen Eigenanteil von mindestens 150 Euro. Voraussetzung für den Antrag sind ein oder mehrere Beratungsgespräche vor Beginn der Umschulung. Außerdem dürfen die Frauen maximal einen Lehrabschluss oder einen Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule haben, müssen in Wien wohnen und mindestens 18 Jahre alt sein. "Wir wollen damit vermeiden, dass wir eine reine Förderstelle werden", sagt Schwarz. "Die Förderungen sollen wirklich Frauen zugute kommen, die durch die Beratung bei uns das Richtige für sich gefunden haben und ohne unsere finanzielle Unterstützung beruflich nicht weiterkommen würden." Daher seien unter anderem auch Akademikerinnen vom Förderprogramm ausgeschlossen: "Die Fördertöpfe sind leider nicht unendlich, deshalb müssen wir uns an den arbeitsmarktpolitischen Daten orientieren, und Frauen mit geringerer Bildung sind mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als höher Qualifizierte." Große Nachfrage Von Eröffnung des Zentrums im April bis Ende Juni haben 340 Frauen eine telefonische Erstberatung erhalten und 153 Frauen ein persönliches Gespräch gesucht. Etwa die Hälfte von ihnen kommt aus den Bereichen Büro, Verkauf und Gastronomie/Tourismus. Ein weiteres Viertel sind Wiedereinsteigerinnen, Pädagoginnen und Frauen, die im medizinischen Bereich arbeiten. "Die Nachfrage ist groß - viele Frauen sind froh, dass es für sie nun eine Möglichkeit gibt, sich weiterzubilden während sie berufstätig sind und nicht den Druck haben, sich während der Arbeitslosigkeit umschulen zu müssen", sagt Astrid Schwarz. Die Gründe, warum Frauen in die Beratungsstelle kämen, seien unter anderem Unzufriedenheit und Frust mit dem derzeitigen Job, Burn-out-Syndrom, Arbeitszeiten, die sich mit der Kinderbetreuung nicht vereinbaren lassen oder einfach das Bedürfnis, beruflich weiterkommen zu wollen. (isa)