Zagreb - Nach einem Koalitionsstreit um das Atomkraftwerk Krsko ist der kroatische Ministerpräsident Ivica Racan zurückgetreten. Gleichzeitig erklärte sich der Sozialdemokrat am Freitag in einer Rundfunkansprache zur Bildung einer Minderheitsregierung bereit. Racan, der die sozialdemokratische SDP führt, zog mit seinem Schritt die Konsequenz aus einem seit Monaten schwelenden Koalitionsstreit mit der nationalliberalen Partei HSLS. In Zagreb wurde erwartet, dass Staatspräsident Stipe Mesic den 58-Jährigen mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragen würde. Regulär wird in Kroatien erst 2004 wieder gewählt. Racans zerbrochene Fünf-Parteien-Koalition hatte seit der Niederlage der Nationalisten vor zweieinhalb Jahren die Regierung gestellt. Jüngster Streitpunkt in der Koalition war ein Abkommen mit dem benachbarten Slowenien über das gemeinsam betriebene Atomkraftwerk Krsko, über das am Mittwoch im Parlament abgestimmt wurde. Die Sozialliberalen lehnten das Abkommen ab, das dem einst jugoslawischen Slowenien ein einseitiges Ausstiegsrecht zubilligt. Sie bezeichneten die Ratifizierung als das Ende der Koalition. Streit innerhalb der Koalition Mit seinem Rücktritt reagierte Racan auf den Dauerstreit in der regierenden Koalition aus fünf Parteien. Zugleich wollte Racan den Weg für die Bildung einer neuen Regierung freimachen, nachdem es mit der HSLS des Vizepremiers Drazen Budisa andauernden Streit um den Kurs der Reformpolitik gegeben hatte. "Dieses Verhalten hat alles Positive gefährdet, was wir bisher erreicht haben und was noch erreicht werden muss", sagte Racan am Freitag in Zagreb in einer Fernsehansprache. In Zagreb wurde erwartet, dass Racan eine neue Regierungsbildung ohne die HSLS anstrebt. Im Parlament schien eine Mehrheit dafür wahrscheinlich. Staatspräsident Mesic hat laut Verfassung 30 Tage Zeit, einen Ministerpräsidenten zu ernennen. Unter Racans Führung hatte ein Bündnis mehrerer Parteien Anfang des Jahres 2000 die nationalistische Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) des früheren Präsidenten Franjo Tudjman von der Regierung abgelöst. Racan führte Kroatien danach aus einer internationalen politischen Isolation. Das Land steht im inneren Reformprozess aber vor großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen.(APA/dpa)