Belgrad - Der frühere jugoslawische Präsident Zoran Lilic (1993-1997) ist nach Den Haag abgereist, um vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal im Prozess gegen seinen Amtsnachfolger Slobodan Milosevic (1997-2000) auszusagen. Unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise berichtet die Tageszeitung "Danas", dass die Ankläger des Kriegsverbrechertribunals mehrmals Kontakte mit Lilic gehabt hätten, bevor sie ihn im Dezember des Vorjahres aufgefordert hätten, vor dem Tribunal auszusagen. Lilic hatte gegenüber Belgrader Medien erklärt, dass er nicht bereit sei, mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal zu kooperieren, solange die Zusammenarbeit von jugoslawischer Seite nicht gesetzlich geregelt sei. Nach der Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes hatte die Tribunalsanklage ihre Aufforderung an Lilic wiederholt. Gemäß der Belgrader Tageszeitung sei der Ex-Präsident "bis zum letzten Augenblick" bemüht gewesen, der Zusammenarbeit und einer Reise nach Den Haag auszuweichen. Während des Kosovo-Krieges hatte Lilic als Militärberater von Milosevic fungiert. In einem Interview für die Wochenzeitschrift "Vreme" hatte er Ende des Vorjahres enthüllt, dass Milosevic im Laufe der NATO-Luftangriffe im Frühjahr 1999 die angebotenen Friedensvermittlungen Libyens, die zur Einstellung des Bombardements führen sollten, unbeantwortet gelassen habe, da er einen "politischen Sieg" über die westliche Allianz wollte. Eine hohe Zahl von zivilen Opfern sollte diesen politischen Sieg sicherstellen.(APA)