Mediation wird immer mehr als eine branchenübergreifende Methode zur Konfliktbeilegung angewandt. Primär bediente man sich der Mediation, um Scheidungsfälle und den außergerichtlichen Tatausgleich in einer einvernehmlichen Weise zu lösen. Die Mediation eröffnet Bauherren, Nachbarn, Verbänden, Bauunternehmern und Behörden für die Schlichtung von Baustreitigkeiten, vor allem auch im öffentlich-rechtlichen Bereich, neue Möglichkeiten. Besonders in langfristigen Geschäftsverbindungen und bei „vertrackten“ Auseinandersetzungen ist die Mediation eine echte Alternative zu langwierigen Prozessverfahren. Die Klienten erlangen durch den Mediationsprozeß ein erhebliches Maß einer besserten Konfliktkompetenz. Dies wirkt sich auch generell auf eine positivere Kommunikationsfähigkeit im Konfliktverhalten aus. In den letzten Jahren beginnt auch die Baubranche die Mediation vermehrt als eine bewährte Streitlösungs- und Konfliktbeilegungsmethode einzusetzen. Die herkömmlichen Konfliktlösungsverfahren wie Zivil-, Verwaltungs- und Strafprozesse erfüllen eigentlich nicht den erwünschten Anforderungen von komplexen Baustreitigkeiten. Es werden nur Teilprobleme gelöst und die streitenden Baubeteiligten sind unzufrieden mit dem Prozessergebnis. Für solche Streitigkeiten eignet sich die im Familienrecht bewährte Mediation umso besser. Untersuchungen, die global durchgeführt wurden, haben ergeben, daß es generell bei einem Mediationsverfahren in 70 bis 90% der Fälle zu einer Einigung kommt, die auch langfristig halten! Die herkömmlichen Prozessverfahren führen dazu, dass die eine Partei im gleichen Masse gewinnen, wie die andere verlieren kann. Häufig stehen nach geschlagener Schlacht sogar beide Parteien als Verlierer da. Prozesse sind praktisch immer Nullsummenspiele. Prozesse belasten die beteiligten Parteien, ausser es handelt sich um passionierte Streithähne oder -hennen, physisch und psychisch. Baustreitigkeiten zwischen Nachbarn oder anderen Beteiligten frustrieren und die Belastung ist auch darum verheerend, weil Nachbarn / Beteiligten in der Regel auch nach Prozessende immer noch nebeneinander wohnen oder arbeiten müssen. Mediation ist eine auf win-win basierenden Konfliktlösungmethode, bei der mit Hilfe eines neutralen allparteilichen Mediator, eine für beide „Streithähnen“ faire Streitbeilegung angestrebt wird. Es handelt sich hierbei um ein aussergerichtliches Verfahren, daß das Ziel hat, den streitenden Parteien zu einer Einigung aus freiem Willen zu verhelfen. Die Entscheidungsgewalt bleibt allein bei den Parteien. Die Rolle des Mediators, der über entsprechende Erfahrungen und Ausbildung verfügt, besteht vor allem darin, die Parteien bei der Klärung ihrer Interessen, der Entwicklung gemeinsamer Problemlösungen und -alternativen zu unterstützen. Am Ende steht eine rechtsverbindliche Vereinbarung zur Konfliktbeilegung in Form einer Mediationvereinbarung, die alle Konfliktparteien akzeptieren und unterzeichnen. Besonders Ziviltechniker und Architekten zeigen jetzt verstärkt Interesse an dieser Weiterbildung, da diese Gruppierung vor einigen Monaten die Bezeichnung Mediator in ihr Berufsbild integriert haben. Naturgemäß entsteht dadurch eine Nachfrage an der Mediationsausbildung mit Bauwesen, Planungsbereich und anderen ziviltechnischen Bereichen.