Graz - Gegen den Arzt Richard B., der wegen Verabreichung einer tödlichen Selen-Spritze in Graz - nicht rechtskräftig - verurteilt wurde, ist ein Verfahren beim Disziplinarrat der Österreichischen Ärztekammer anhängig. "Ich erwarte mir, dass die unabhängige Disziplinarkommission rasch ein vorläufiges Berufsverbot ausspricht", sagte der steirische Ärztekammer-Präsident Wolfgang Routil am Freitag. Dies solle unabhängig von der Rechtskraft des Urteils geschehen, so der Präsident. Das Verfahren gegen Richard B., der im Herbst 2000 einer jungen Frau eine selbstgemischte Selen-Spritze verabreichte, die die Patientin innerhalb weniger Stunden tötete, wurde unterbrochen. Die nicht weisungsgebundene Disziplinarkommission wollte zunächst den Ausgang des Prozesses abwarten, um die Ergebnisse in das Verfahren einfließen lassen zu können. Mögliche Strafen Nach dem Ärztegesetz könnten folgende Strafen über den Arzt verhängt werden: ein schriftlicher Verweis, eine Geldstrafe bis zu einer Höhe von 36.340 Euro, eine befristete Berufsausübung bis zu drei Jahren sowie die Streichung aus der Ärzteliste. Die Strafen können auch bedingt ausgesprochen werden, d. h. sie müssen erst im Wiederholungsfall verbüßt werden. Richard B. hatte nach seiner Verurteilung zu 14 Monaten Haft, vier davon unbedingt, zunächst drei Tage Bedenkzeit erbeten. Dann muss er bekannt geben, ob er die Strafe annimmt oder Berufung gegen das Urteil einlegen will. B. hatte vor der Verhandlung bereits erklärt, er wolle im Falle einer Verurteilung vom Rechtsmittel der Berufung Gebrauch machen. (APA)