London - Der britische Premierminister Tony Blair traut den staatlichen Schulen offenbar wenig zu: Seine beiden 18- und 16-jährigen Söhne Ewan und Nicky werden zusätzlich zum Unterricht an einer staatlichen katholischen Schule von Lehrern der sündhaft teuren Westminster School unterrichtet, wie die Zeitung "Spectator" am Freitag berichtete. Nachilfe oder Zusatzbildung? Die Westminister School ist eine der angesehensten Privatschulen Englands. Wie ein Sprecher Blairs einräumte, erhielten die beiden Söhne Nachhilfe in Geschichte und "anderen Fächern". Das sei aber eine Familienangelegenheit. Der konservative Abgeordnete Mark Field sah das anders und bezichtigte Blair und dessen Schulpolitik der Heuchelei. Die liberale Opposition kritisierte, die Privatstunden bewiesen Blairs mangelndes Vertrauen in das öffenliche Schulsystem. Der bildungspolitische Sprecher der Liberaldemokraten, Phil Willis, sagte dem "Daily Telegraph", Blairs Söhne erhielten eine "private Ausbildung durch die Hintertür". Blair hatte sich zum Ziel gesetzt, nach jahrelangem Sparkurs unter seinen Vorgängern die öffentlichen Schulen wieder leistungsfähiger zu machen.(APA)