Wien - Der krisengebeutelte US-Teil von DaimlerChrysler erfängt sich schneller als gedacht, schon heuer werden die Amerikaner wieder Gewinne einfahren. Chrysler Austria profitiert vom internationalen Stimmungswandel und kann seinen Marktanteil in den ersten sechs Monaten des Jahres gegen den Trend behaupten. Man halte gegenwärtig 1,4 Prozent Marktanteil, sagte Geschäftsführer Ingo Natmessnig zum STANDARD. In Europa liege nur die Schweiz vor Österreich.Dass sich die Situation durch den Verkauf des Eurostar-Werks an Magna Steyr verändere, könne man nicht behaupten. Der Minivan Voyager und der Jeep Grand Cherokee gelten nach wie vor als "Made in Austria", und produktionsseitig ändere sich auch durch die Magna-Übernahme nichts. Im ersten Halbjahr wurden 1200 Voyager verkauft. Interessant wird der Erfolg des in den vergangenen Jahren deutlich schwächelnden Modells, das 2001 neu aufgelegt wurde, durch den Wegfall der so genannten "Lex Voyager" per 1. Jänner 2002. Seither sind alle Minivans vorsteuerabzugsfähig, der Chrysler konnte sich dennoch halten. Auch organisatorisch, so Natmessnig, ändere sich durch die geänderte Eigentümerstruktur bei Eurostar zunächst wenig. Bisher dreigegliedert Bei den Zahlen schon eher. Denn Chrysler Austria mit einem Vorjahresumsatz von 2,7 Mrd. Euro ist bzw. war bisher dreigegliedert: in die Vertriebstochter AC Austrocar (Umsatz 200 Mio. €), Eurostar und die Automobil Produktions GmbH - Letztere beauftragt etwa Magna Steyr mit der Produktion des Grand Cherokee. Umsatz der zwei Letztgenannten: 2,5 Mrd. €. Wie genau Chrysler Austria künftig aufgestellt sei, könne man noch nicht sagen. Und wie profitabel die Vertriebsorganisation (55 Händler) wirtschafte? Natmessnig nennt keine genauen Zahlen, betont aber, im internen Konzernranking schneide man hervorragend ab: "Wir zählen zu den Topperformern in Europa." Die Pläne für eine neue Zentrale liegen seit der Krise auf Eis. Dafür baut der Importeur seinen Stammsitz bzw. die zugehörige Handelsniederlassung Wien Nord um. Im April begonnen, soll die Modernisierung dieses größten heimischen Chrysler-Betriebs im September abgeschlossen sein, Kostenpunkt: 500.000 €. "Ein Bau auf der grünen Wiese hätte das Zehnfache gekostet." Das früher angedachte Vorhaben, Chrysler und Mercedes Benz zusammenzulegen, ist endgültig gegessen. Auf der Suche nach Synergien hat man derzeit aber die Vereinheitlichung im IT-Bereich und die Markforschung im Visier. Ansonsten bleibt es bei der Strategie: getrennt marschieren, vereint schlagen. (Andreas Stockinger/DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2002)