Oberhausen - Babcock Borsig ist bereits 1996 nur knapp der Pleite entgangen. Damals retten nur Bankenkredite von mehr als 600 Mill. DM (307 Mill. Euro) und ein Lohnverzicht der Arbeitnehmer in Höhe von 100 Mill. DM den Konzern. Im Frühjahr dieses Jahres rutschte das 111 Jahre alte Oberhausener Traditionsunternehmen nach einem überraschenden Kurswechsel erneut in die Krise: 31. Jänner 2002: Babcock Borsig erwartet bei Vorlage der Jahresbilanz ein schwieriges Geschäftsjahr 2001/02 mit einem bestenfalls ausgeglichenen Ergebnis. Laut Vorstandschef Klaus Lederer soll das Marine-Geschäft durch eine vollständige Übernahme der Kieler Werft HDW ausgebaut werden. 11. März: Babcock vollzieht nach einem Verlust von 76 Mill. Euro im ersten Quartal des Geschäftsjahres eine überraschende Kehrtwende. Lederer teilt mit, Babcock habe die Hälfte seiner HDW- Anteile an den US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) verkauft. Auch Babcock-Großaktionär Preussag verkauft seine HDW-Beteiligung an OEP. Lederer, gleichzeitig Vorstandsvorsitzender von HDW, kündigt an, seinen Chefsessel bei Babcock "zu gegebener Zeit" räumen zu wollen. 15. März: Trotz heftiger Kritik insbesondere durch den US- Großaktionär Guy Wyser-Pratte teilt Babcock mit, an der strategischen Wende festhalten zu wollen. Der Aktienkurs bricht teilweise um 30 Prozent ein. 19. März: Auf einer turbulenten Hauptversammlung werfen Aktionäre Lederer "Täuschung" und "Verrat" vor. Anträge auf Verschiebung der Hauptversammlung und eine Abstimmung über den Strategiewechsel finden aber keine Mehrheit. 29. Mai: Babcock stellt für das laufende Geschäftsjahr wegen der Kosten für die Neuausrichtung einen Konzernverlust von mindestens 100 Mill. Euro in Aussicht. 7. Juni: Babcock erklärt, dass OEP nun rund 75 Prozent an HDW hält. 14. Juni: Lederer legt seine Ämter im Konzern nieder. Das Unternehmen beruft für August eine außerordentliche Hauptversammlung ein, die über den verbliebenen HDW-Anteil von 25 Prozent entscheiden soll. 21. Juni: Babcock Borsig teilt mit, dass das Unternehmen zur Fortführung der Geschäfte einen Sofortkredit von 200 Mill. Euro benötigt. Der Aktienkurs bricht zeitweilig um bis zu 50 Prozent ein. 25. Juni: Als Beitrag zur Sanierung leisten die Mitarbeiter von Babcock in Deutschland einen Lohn- und Gehaltsverzicht in Höhe von 50 Mill. Euro. 5. Juli: Nach zwei Tagen ergebnisloser Verhandlungen mit den Banken über einen Sanierungsplan beantragt Babcock Borsig Insolvenz. Die Babcock-Aktie, die noch vor einem Jahr 44 Euro wert war, kostet nur noch 1,57 Euro. Allerdings hatte es noch im Juli 2001 einen Aktiensplitt im Verhältnis 1:3 gegeben, nach dem die Aktie gut 14 Euro kostete. (APA/dpa)