Wien - Auch rund zwei Jahre nach dem Auffliegen des Hom-Rusch-Skandals, der die Bank Burgenland an den Rand des Ruins trieb, leidet das Institut noch immer unter der eher sorglosen Kreditpolitik der seinerzeitigen Führung. Wie Generaldirektor Wolfgang Ulrich, der seit 2001 im Amt und für die Restrukturierung der Bank verantwortlich ist, in einem Gespräch mit Journalisten mitteilte, wurden auch heuer noch "Altlasten" entdeckt, die eine Wertberichtigung von rund 29 Mio. Euro erforderlich machten. Damit seien die gesamten Wertberichtigungen aus dubiosen Krediten auf knapp 390 Mio. Euro gestiegen. Davon seien 171 Mio. Euro auf die diversen Firmen des verurteilten Gualterio Alejandro Hom Rusch entfallen und weitere 189 Mio. Euro auf zahlreiche einzelne Unternehmen. "Schwarze Zahlen" Das gesamte Kreditvolumen des Instituts bezifferte Ulrich auf derzeit rund 2,2 Mrd. Euro. Davon seien 20 Prozent, das sind Ausleihungen im Ausmaß von 436 Mio. Euro, zinslos gestellt, was die Ertragslage der Bank Burgenland erheblich beeinträchtige. Dennoch zeigte sich Ulrich optimistisch. Im zweiten Quartal seien keine zusätzlichen Wertberichtigungen mehr erforderlich gewesen, Neubildungen und Auflösungen hielten sich jetzt die Waage. Wenn keine neuen Problemfälle auftauchten, werde die Bank Burgenland heuer wieder "schwarze Zahlen" schreiben. Im vergangenen Jahr wurde ein Betriebsergebnis von 7,27 Mio. Euro erwirtschaftet. Der Hom-Rusch-Skandal hat für die Bank Burgenland auch zu einem Vertrauensverlust der Kundschaft geführt. Insgesamt seien Spareinlagen im Ausmaß von 218 Mio. Euro abgezogen worden. Dadurch habe sich das gesamte Sparvolumen auf 290 Mio. Euro verringert. Jetzt kehre das Vertrauen der Kunden aber allmählich zurück, freut sich Ulrich, der auf einen Anstieg der Spareinlagen um zehn Prozent im ersten Quartal dieses Jahres verweist. Für den Chef der Bank Burgenland ist aber ein noch zusätzliches Kundenpotenzial in Sicht. Wie er im Rahmen der Eröffnung der neuen Wiener Filiale, die die 15 Filialen im Burgenland ergänzt, mitteilte, wird die Bank ab November dieses Jahres vom Land die Verwaltung der Wohnbauförderungsdarlehen übernehmen. Dadurch entstünden zwar Kosten, aber auch 37.000 zusätzliche Konten, womit die Chance gegeben sei, den Marktanteil im Burgenland, den Ulrich derzeit auf rund 30 Prozent beziffert, auszubauen. Neue Kundenschichten Neue Kundenschichten will Ulrich auch in Ungarn erschließen. Sobald das Institut die Bankkonzession erhält, um die im vorigen November angesucht wurde, soll in Sopron eine erste Filiale eröffnet werden. Weitere Zweigstellen sollen im kommenden Jahr in Györ, Szombathely und in Moson Magyarovar folgen. (Günter Baburek, Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2002)