Berlin soll ein altes neues Wahrzeichen wieder erhalten: das auf Geheiß der DDR-Staatspartei SED 1950 gesprengte Stadtschloss. In Berlins Mitte, gegenüber der Museumsinsel und des DDR-Staatsratsgebäudes an der Hauptstraße Unter den Linden, klafft seither eine Lücke. In offener, namentlicher Abstimmung votierten am Donnerstagabend im Bundestag 384 von 589 Abgeordneten für die Errichtung eines Gebäudes mit drei historischen Barockfassaden sowie dem Schlüterhof. Der am Rande des Grundstücks stehende Palast der Republik, Sitz der DDR-Volkskammer, wird geschliffen.Zuvor hatte eine Mehrheit dafür gestimmt, allen übrigen Empfehlungen der Expertenkommission zu folgen, insbesondere jener zur vorgesehenen Nutzung durch Museumssammlungen und Biblotheken. Die Arbeit der Kommission, die Wiens ehemaliger Planungsstadtrat Hannes Swoboda (SPÖ) geleitet hatte, wurde allseits gelobt. Mit der Entscheidung für das Schloss nach zehnjähriger Debatte ist aber die Finanzierung noch nicht geklärt. Die Kosten werden auf 670 Millionen Euro geschätzt. 75 Millionen Euro will ein privater Förderverein auftreiben. Die rot-rote Regierung in Berlin ist gegen das Projekt und verweist auf die Schuldenlast von 42 Milliarden Euro. Für Berlins Wirtschaftssenator Gregor Gysi ist die Entscheidung ohne Finanzbeschluss Makulatur, erklärte er in einem Gespräch mit Auslandskorrespondenten: "Wie viel der Spaß kostet! Die machen sich erst später eine Birne, wie das finanziert werden soll. Aber so dolle sieht es auch beim Bund mit den Finanzen nicht aus." (DER STANDARD, Printausgabe, Sa./So., 6.07.2002)