Alljährlich kommt übers sommerliche Kärnten das, was für die "Fremden" zur Belebung des "Verkehrs" unter besonderer Berücksichtigung von badefreien Regentagen eingeführt wurde: Kultur von U bis E, ständig abgehaltene Gratis-Sprachkurse inklusive (z.B. "ane Strankalan" heißt "ein paar Fisolen"). Die historische, in sich ruhende Kultur, etwa den Gurker Dom, gibt's ja sowieso als Dauerdraufgabe.

Schurkenprovinz hin oder her, der Sommer findet dort jedenfalls statt. Wenn sogar Wiener Wochengazetten dorthin reisen, um den vielen Promis – solche, die zureisen, sowie die Haus-/Villen-/ Strandbesitzer – auf die Finger oder sonstwohin zu schauen! "Wöataseebienen" und Cabriofahrer verströmen südländisches Laisser-faire (Italien/Slowenien, ein Katzensprung!) und unterstützen mit Kräften die Statistik, die besagt, dass seit Jahrhunderten in Kärnten die meisten ledigen Kinder entstehen. Um diesem Trubel und den zusätzlich täglich einsetzenden Kirchtagen zu entkommen, auch um den seltenen Regentagen Sinn zu verleihen, gibt es viele stille Plätzchen (die hier natürlich nicht verraten werden!) und auch etwas, das man eigentlich für die "Fremden" zur Belebung des "Verkehrs" (auch) eingeführt hat: Kultur.

Am Abend kühlt der Wind in der Burgarena Finkenstein den Sonnenbrand, wo bei herrlichem Faaker-See-Panorama Barden aller Art ihr Bestes geben. Musicals bespielen seit neuestem die Klagenfurter Seebühne. Die etwas höhere Muse küsst schon länger den Carinthischen Sommer in Ossiach und Villach, eine größtenteils weltklassisch anregende Gelegenheit. Der Sommerbirne entsprechende und für Sommerspiele nicht allzu seichte Komödien à la Molière zeigt man in Spittal, im wunderhübschen Renaissance-Hof von Schloss Porcia. Für die Jüngeren gibt's eher Trink-und Körperkultur (Beachvolleyball in Klagenfurt!) und Discotheken. Anspruchsvolles steht mit "Jazz over Villach" am Programm. Davon hat wirklich ganz Villach was, denn von der Genottehöhe trägt es die Schallwellen in jedes Haus. Die Kärntner Seewellen gehören dann aber wirklich allen. (dok)

K.L.A.S. Was mit "kassandra bachmann" im letzten Jahr begonnen wurde, setzt die Intendanz auf der Heunburg (Stefan Pfeistlinger) heuer mit einem Stück des englischen Dramatikers Howard Barker fort: eine Vivisektion des Verlusts kultureller Identität. Das Stück "A Hard Heart" über die Macht im Kampf zwischen Kultur und Barbarei, wird als deutschsprachige Erstaufführung gezeigt. Mutet archaisch an (s. Foto) und hat mit den Belustigungsriten üblicher Sommertheater nichts am Hut. 18. 7.-31. 8. P. S. Hinter "k.l.a.s." verbirgt sich keine Abkürzung, sondern bloß ein Eigenname.
Info: (04232) 446 07 50,
www.klas.at

KOMÖDIENSPIELE PORCIA Als eines der wenigen (einziges?) Sommertheater Österreichs bietet Porcia neben dem Hauptprogramm (ab 11. 7., heuer u. a.: "Die Geschichte vom braven Soldaten Schwejk", "Der Diener zweier Herren") auch ein Kinderstück: "Oh wie schön ist Panama" muss man sich in der schillernden Kulisse von Spittal sagen lassen (ab 22. 7.).
Info: (04762) 31 61,
www.komoedienspiele- porcia.at

CARINTHISCHER SOMMER Das Kärntner Festival bringt in diesem Sommer (bis 27. 8.) eine Menge Prominenz nach Villach und Ossiach: Zubin Metha, das Israel Philharmonic Orchestra, Yuri Bashmet und Moskauer Solisten, Gidon Kremer und das Giora Feidman Trio wie auch Pianist Rudolf Buchbinder. Zugegen sind auch Bassbariton Robert Holl und Jazz-Trompeter Wynton Marsalis: Als Komponist ist er doppelt vertreten, wenn Milan Turkovic die ihm gewidmete Marsalis-Komposition "Meeelaan" interpretiert und "A Fiddler's Tale" als Europapremiere erklingt. Infos: (04243) 25 10 oder www.CarinthischerSommer.at

MUSIKFORUM VIKTRING Klassik, Jazz, Elektronik, Komoposition und Improvisation – hier wird allerlei geboten (14. 7.-6. 8.). Und dies auch noch von renommierten Könnern wie Benjamin Schmid, Wolfgang Muthspiel, Peter Herbert, Wolfgang Puschnig und Uli Scherer. Man hört auch eine Oper von Anestis Logothetis (Daidalia). Infos: (0463) 282 24, www.musikforum.at (afze, tos/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.7.2002)