STANDARD: Gibt es direkte Auswirkungen auf den heimischen Gasmarkt durch die Übernahme von Ruhrgas durch E.ON? Ruttenstorfer : Ganz klar, ja. Ruhrgas wird auf der Kapitalseite enorm gestärkt und kann die Expansion außerhalb Deutschlands kräftig vorantreiben. Der Wettbewerb wird sicherlich schärfer. Ruhrgas ist seit Jahren in Österreich und hat als Kunden etwa Industriebetriebe im Westen. STANDARD: Was ist Ihre Antwort auf diese "Bedrohung"? Ruttenstorfer : Unsere Antwort ist: Was wir im Inland verlieren, wollen wir im Export, etwa nach Bayern, wo wir erfolgreich sind, gewinnen. STANDARD : Es heißt, der deutsche Wirtschaftsminister Werner Müller, der vom E.ON-Vorläufer Veba kommt, hätte dort einen Job in Aussicht. Gab es deshalb die Ministererlaubnis für die Fusion, obwohl das Kartellamt dagegen war? Ruttenstorfer : Diese Gerüchte will ich nicht kommentieren. Die Deutschen haben erkannt, dass es notwendig ist, ihre Unternehmen für den internationalen Wettbewerb zu stärken. Das sollte auch in Österreich erkannt werden. Konzerne müssen durch Zusammenschlüsse gestärkt werden, will man in Europa bestehen. STANDARD : Erwarten Sie in diesem Lichte Probleme für die geplante Gasvertriebsfirma zwischen OMV und EnergieAllianz seitens des Kartellgerichtes? Arbeiterkammer und Wettbewerbsbehörde haben ja Prüfanträge eingebracht. Ruttenstorfer : Ich habe jedes Verständnis, dass geprüft wird. Wenn unser Zusammenschluss aber untersagt wird, wäre das angesichts der zehnfachen Dimensionen, die da in Deutschland entstehen, geradezu unverständlich. STANDARD : Kritiker sagen, von der Gaslösung würden Großkunden profitieren, aber die Haushalte die Zeche zahlen. Ruttenstorfer :Der Zusammenschluss betrifft nur Großkunden. Wenn wir dort kompetitiver aufgestellt sind, kann das nicht zum Schaden der Kleinkunden sein.