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Das Palais Epstein am Dr. Karl Renner-Ring in Wien

Foto: APA/Techt
Wien - Es ist ein weiterer Baustein auf dem Weg des Umbaus des Palais Epstein zur Parlamentsdependance, der Freitag erfolgte: Eine Jury kürte aus 24 Projekten, wie denn das geschichtsträchtige Ringstraßen-Palais umgebaut werden könnte, das der Wiener Architekten Georg Töpfer und Alexander van der Donk zum Sieger. Für den Wiener Alt-Bürgermeister Helmut Zilk ist diese Jury gleichzeitig das Ende seiner Bemühungen, ein "Haus der Geschichte" im Epstein anzusiedeln.

Für andere nicht: "Der Zug ist nicht abgefahren. In Österreich sind schon Sachen fertiggestellt und nicht in der geplanten Form in Betrieb genommen worden", will Zilks Nachfolger am Bürgermeistersessel, Michael Häupl, den Kampf um ein "Haus der Geschichte" noch lange nicht aufgeben. Seine Mitstreiter sind einerseits ein Proponentenkomitee, dem etwa André Heller und Robert Menasse angehören, und die an Häupls Parteifreund, Nationalratspräsident Heinz Fischer, appellieren, die Nutzung für das Parlament zu überdenken.

Merkwürdige Allianzen

Andererseits sind es ungewöhnliche Allianzen quer über Parteigrenzen, die sich zum Epstein engagieren: ÖVP-Klubchef Andreas Khol hält in der Frage ausnahmsweise dem alten Koalitionspartner SPÖ die Treue, mit dem er 1999 die Parlamentsnutzung für das Epstein beschloss, und unterstützt Heinz Fischer. Auch die Grünen reihen sich hier ein.

FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler hingegen hält in der Frage ausnahmsweise nichts von Koalitionstreue und macht sich im STANDARD-Gespräch für ein "Haus der Geschichte" stark: "Fischer soll nicht auf einem Beschluss von 1999 beharren, sondern alle Proponenten an einen Tisch bringen und die Nutzung des Epstein diskutieren. Das Parlament braucht die Räume dort nicht." Bevor allerdings eine Entscheidung über ein "Haus der Geschichte" - im Epstein oder sonst wo - falle, will Westenthaler "endlich ein fertiges Konzept". Seine Vorstellung: "Die Geschichte unsere Landes nach dem Leitfaden von Hugo Portisch, dazu ein Teil über vertriebene Sudetendeutsche." Ungefähr für dieses Konzept trommelt auch die Kronen-Zeitung neuerdings.

Leon Zelman wiederum, Holocaust-Überlebender, Leiter des Jewish Welcome Service und Initiator des "Hauses der Geschichte" im Epstein, schwebt eher eine Aufarbeitung der Entwicklungen vor, die zu Auschwitz und Mauthausen führten. Enttäuscht ist Zelman vor allem über alte Freunde aus der SPÖ, insbesondere Fischer habe seine Überzeugungsversuche schroff zurückgewiesen. Er ist deshalb deprimiert, will aber die "einmalige Chance, Wien zur Hauptstadt der Geschichte Mitteleuropas zu machen", nicht als vertan betrachten. Wie schon seit 1999 nicht. (Eva Linsinger, Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.7.2002)