Santiago - Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet hat nach eigener Darstellung trotz der Vorwürfe massiver Menschenrechtsverletzungen während seiner Herrschaft ein reines Gewissen. Die Geschichte werde seine "soldatischen Opfer" zu würdigen wissen, schrieb der 86-Jährige in einem am Freitag veröffentlichten Brief. Sein Tun an der Spitze des chilenischen Militärs habe ausschließlich dem Interesse des Landes gedient, so Pinochet weiter. "Noch gibt es zu starke Emotionen in der Bevölkerung, als dass man von ihr ein Urteil erwarten könnte, dass objektiv, ruhig und vor allem fair ist", schrieb Pinochet in dem Brief. Ihm hatte das Oberste Gericht am Tag zuvor bescheinigt, gesundheitlich nicht mehr in der Lage zu sein, ein Gerichtsverfahren durchzustehen. Während der Pinochet-Diktatur zwischen 1973 und 1990 gingen die Militärs mit massiver Gewalt gegen linke Oppositionelle vor. Mehr als 3000 Menschen wurden in dieser Zeit exekutiert oder "verschwanden". "Nie wieder Pinochet!", titelte am Freitag eine Zeitung in Santiago, nachdem der dieser am Donnerstag sein Amt als Senator auf Lebenszeit niedergelegt hatte. Die Tochter des 1973 von Pinochet gestürzten Präsidenten Salvador Allende, sprach von einem positiven Schritt für das Land. Ein Drittel der Chilenen bewundert nach wie vor die Leistung Pinochets und sieht in ihm ihren Retter vor dem Kommunismus. (APA/Reuters)