Rom - Der Chef der italienischen Radikalen, Marco Pannella, der sich seit 85 Tagen im Hungerstreik befindet und seit vergangener Woche auch keine Getränke mehr zu sich nahm, hat seine extreme Protestaktion vorerst für 36 Stunden unterbrochen. Er gab dem Druck des italienischen Staatschefs Carlo Azeglio Ciampi und mehrerer hochrangiger Politiker nach, die um seinen Gesundheitszustand besorgt waren und ihn zur Unterbrechung seines Protests aufgerufen hatten. Der 72-jährige Pannella ist zu einem Skelett abgemagert, der "Durststreik" hat seine Nieren stark belastet. Mit seinem Streik protestierte der Reformpolitiker wegen zwölf seit einem Jahr unbesetzten Abgeordnetensitzen. "Ich habe vom Staatschef Garantien erhalten, dass das Problem bei einer Debatte im Parlament am Mittwoch gelöst wird. Sollte das Problem nicht bewältigt werden, will ich den Streik wieder aufnehmen", sagte Pannella. Auf dem Spiel stehe die Legalität des Parlaments, das ohne zwölf Deputierten nicht legitim sei, so Pannella. Seine Parteikollegen sind bereit, mit ihm den Protest fortzusetzen. Pannella, der in den 70-er Jahren wegen seiner Kämpfe für die Scheidung, die Legalisierung der Schwangerschaftsunterbrechung sowie der weichen Drogen international bekannt wurde, hat den Hungerstreik zu einer politischen Waffe verwertet, um Italiens Politik unter Druck zu setzen. Etliche Male versetzte er die Politik mit seinen Hungeraktionen in Alarmbereitschaft. Ärzte hatten öfters sogar eine Zwangs-Einlieferung ins Spital angeordnet, um dem Politiker das Leben zu retten. Pannella hungerte in den vergangenen Jahren, um Aufmerksamkeit für die unterschiedlichsten Probleme zu wecken. Einmal protestierte er gegen eine Benachteiligung seiner radikalen Bewegung im Fernsehen, einmal gegen den Hunger in der Welt und gegen die Regierung in Laos. Bei seinen Protestaktionen kann er stets mit der Hilfe seiner Parteikollegin und Ex-EU-Kommissärin Emma Bonino rechnen, die ihn in seinen Initiativen unterstützt, und selbst schon in Hungerstreiks getreten ist. (APA)